Donnerstag, März 16, 2006
Weltbild
Die doppelte Pyramide im Raum sandte Kräfte, Energien und Wärme aus; der Brunnen in der Ecke schärfte seine Sinne und Antworten.
Es ging um das Finden dessen, was man sucht, um berufliche Perspektiven. Um Zusammenhänge dieser Welt, Kräfteverhältnisse, Mächte und Machthaber, Unterdrücker, Konservierer und Geheimbünde. Und um unsere Position in diesem "Spiel": Wir beide möchten Sandkörner bewegen, Menschen ermöglichen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, die Freiheiten zu nutzen, Glück ermöglichen. Und dies kann sicher nicht mit den Mächtigen dieser Welt geschehen, sondern nur im persönlichen Umfeld.
Was ich lernte: Das Loslassen von Dingen, von denen ich meinte, sie wären wichtig für mich, externe Zuschreibungen und Titel wie Kontakte oder der Dr., war ein guter, mutiger Schritt.
Nun geht es darum, andere Menschen und Zusammenhänge nicht mehr zu bewerten, nicht mehr in gut und schlecht, warm und kalt usw. zu klassifizieren, sondern nicht nur tolerieren, sondern akzeptieren, daß andere Menschen anders sind. Also unter anderem: Nicht mehr ärgern über andere. Zusehen. Dann mich positionieren und meine positiven Aspekte hinzufügen. Das zu geben, was ich erhalten möchte.
Und vieles mehr lernte ich, ging gestärkt nach Hause, schlief die folgende Nacht nur eine Stunde und fühle noch immer die Kraft in mir.
Es ist etwas Gutes geworden, jetzt schon ;-)
Chris
Sonntag, Dezember 25, 2005
Rückschau
Im ersten Halbjahr arbeitete ich sehr viel an mir selbst, führte vereinzelte Gespräche, arbeitete mal hier, mal da, ohne aber wirklich einen Zug in meinen Aktivitäten zu spüren. Klar war ich jeden Tag aktiv, hatte immer was zu tun, die Zielrichtung war hingegen selten klar.
Unter anderem nahm ich an einem Projekt in Oberhausen teil, das sich "Gründen im Team" nannte und - wie der Titel schon sagt - gemeinsam erarbeitete Selbständigkeiten zum Ziel hatte. Nachdem ich zunächst wie es so meine Art ist, ziemlich zurückhaltend mitarbeitete, outete ich mich nach etwa zwei Dritteln des auf drei Monaten angelegten Prozesses mit einem eigenen Thema und verwandte ab da mehr Zeit für das, was ich wirklich wollte - und enthielt meine konstruktive Mitarbeit ab da der Gruppe, in der ich bis dato arbeitet, vor. Nachdem ich dann ziemlich intensiv an einem Businessplan arbeitete, kam ein recht gutes Papier zum Thema CSR-Beratung (Corporate Social Responsibility - aktive Teilhabe von Unternehmen am Gemeinwohl) heraus, das ich auch vor einigen Gremien mit Bänkern, Vertretern von Wirtschaftsförderungen, Agenturen für Arbeit, IHKs und HWKs präsentierte. Alle fanden das immer sehr überzeugend.
Birgit half mir dann entscheidend dabei, diesen Plan auch von meiner Agentur für Arbeit anerkennen zu lassen - falls das mal jemand von Euch vor hat: Birgit ist die Beste dabei!
Als ich dann mit meinen Anliegen Gespräche führte, erstmal, um den Markt, andere Anbieter und mögliche Kooperationspartner kennenzulernen, merkte ich schnell, daß ich das eigentlich gar nicht lebe. Ich kann das gut, weiß sehr viel darüber, es sind auch einige der Tätigkeiten enthalten, die ich gerne mache, aber so richtig Feuer spüre ich nicht dabei. Klar wurde mir das spätestens, als ich in einem konkreten Projekt für die Deutsche Post mitarbeitete und dieses immer weiter vor mir herschob ;-)
Tja, was dann?
Erstmal fiel ich in ein großes Loch. Das war im August. Da war plötzlich überhaupt nichts mehr, keine Zuversicht, keine Ideen, keine Lust, keine Kraft. Nur Frustration. All das kam auch daher, weil ich - wie Ihr ja mitbekamt - eine Absage auf einen Job erhielt, den ich damals gerne gemacht hätte - zu gern für den potentiellen Arbeitgeber. :-)))
Wunderbarerweise hatte ich Euer aller Feed-back, das mich auf so viele neue Gedanken brachte.
Allein, im August wußte ich noch immer nicht weiter.
Von Maja hörte ich dann von einer Tagung in Hamburg. Es ging um kulturelle Bildung in Europa. Ich meldete mich und zwei Freundinnen an, fuhr hin, bekam ne Menge Eindrücke, gar ein paar wenige Kontakte. Erlebte Maja und Kerstin bei Ihrer Arbeit mit der Schultanzgruppe - die an diesem wunderbaren Projekt mitarbeiteten, ganz nah oder sogar an dem, was sie wirklich wollen. Welch emotionalen Momente das waren, werde ich nie vergessen.
Danach, es war noch immer August, passierte zwar auch erstmal nichts, aber im September begann ich auf eine Weise aktiv zu werden, ungeplant, unvorhergesehen, noch immer nicht wissend, wie es kam, die bis heute anhält und mir kaum noch Zeit zum Durchatmen ließ.
Ich fuhr heftigst durch die Gegend, führte eine Masse an Gesprächen (über 40), besuchte Tagungen, Kongresse, Seminare, lernte viel Leute kennen und begann, immer mehr und unbewußt auf meinen Bauch zu hören und danach zu handeln. Was passiert war, dass vieles, fast alles, leicht fiel, es passierten gar wunderbare Dinge von allein.
Ich lernte so so viel, bildete mich weiter, entwickelte mich.
Und in all dem kamen dann plötzlich Leute und fragten, ob ich nicht dieses oder jenes tun könnte für sie. Klar konnte ich. Ich organisierte hier ein bisschen mit, führte dort ein Interview, lektorierte, moderierte und machte manches andere. Ich hatte gut zu tun, machte Dinge, die mir Spaß machen, bekam sogar Geld dafür oder entsprechende Gegenleistungen und realisierte dann irgendwann: Hey, ja, ich bin selbständig.
Jetzt habe ich im Augenblick zwar nur einen richtigen Auftraggeber (die Bundeszentrale für politische Bildung), in deren Projekt ich bis Ende Februar gut zu tun habe, rühre aber in vielen Töpfen, kreiere Ideen, Projekte und mögliche Kooperationen.
Und arbeite gerade an einem griffigen Profil, mit dem ich mich und meine Kompetenzen all jenen anbieten kann, die ich kennenlernte, eh ich mich selbständig nannte.
Und es waren so so viele wunderbare Momente in den letzten Monaten: Als wir in einer subversiven Aktion als Angriff auf die deutsche Depression im Bannkreis in Berlin, direkt zwischen Paul-Löbe-Haus und Kanzleramt, eine Trauerweide pflanzten, unangemeldet. Sie steht da noch heute. Als ich merkte, wie sich einzelne Ideenfäden zusammenfanden und andere Menschen diese interessierten. Als ich einfach von mir selbst sprechen konnte, ohne irgendein Bild zu verfolgen, das ich von mir herumtrug. Als ich mal wieder an einem Open Space teilnahm, in Berlin, zum Thema "Practice of Peace" und wunderbare Menschen aus der ganzen Welt kennenlernte. Im Fluß war. Mit Menschen zusammenwar, die ich schätzte und es nicht mehr um Personen, sondern nur noch um die Sache ging, um Ideen und Projekte. Als ich tatsächlich auch mal so richtig mein Szenario verfolgte und einige Menschen im Musikbusiness kennenlernte (wo ich zwar keine Perspektiven habe - aber ein paar konkrete Vorschläge), und dann bspw. der Generalsekretär des Dt. Musikrats während einer Veranstaltung - auf der ich meinen inneren Schweinhund überwand und vor dem kompletten Plenum per Mikrofon einmal meiner Meinung Luft machte - auf mich zukam und mich nach meiner Ansicht fragte. Sich Leute bei mir für meine Äußerungen bedankten. Als ich eine weitere Absage von einem Projekt bekam, an dem ich so gerne mitgearbeitet hätte (droppingknowledge.org), aber zwei nette I-Gespräche führte und es okay so ist. Als ich loslassen konnte und alles leichter war. Als ich vier Monate meinen lieben Coach nicht mehr anrief und seine tollen Fragen nicht vermisste und nicht benötigte. Als ich zu Weihnachten Post von Leuten bekam, die ich seit zwei Jahren nicht mehr sprach, die immer noch an mich denken. Als ich nach nur kurzem Auftenthalt trotz Essenseinladung das Frank O. Gehry-Haus am Pariser Platz in Berlin verliess, weil ich besseres als Small Talk zu tun hatte. Und ich vorgestern von meiner Buchhändlerin den neuen Irving bekam, der erst im Februar erscheint (und den sie schon voller Begeisterung anlas und kaum hergeben konnte), weil sie weiß, daß ich seine Romane sehr schätze. Als ich von einem Beratungsunternehmen gefragt wurde, ob ich unter ihrem Dach arbeiten möchte, unter ihrem Namen, auf eigene Rechnung.
All das klingt natürlich sehr gut, was dieses Mal anders ist, ist, dass ich weiß, dass dies einfach eine gute Phase ist, der eine schwierige wieder mal folgen kann.
Und ich habe gelernt, dass ich gar nicht mehr so viel Input brauche, sondern schon ganz ganz viel drauf habe, das ich anderen geben kann. Die genau das möchten oder brauchen.
Mal schaun, wie das weitergeht...
Morgen verschwinde ich mit meiner Lebensgefährtin erstmal für zwei Wochen in die Ferne und freue mich schon jetzt unbändig auf das neue Jahr (ich finde, eine 6 lässt sich viel besser schreiben als eine 5 ;-) und all das, was passieren wird.
Es ist etwas Gutes,
Chris
Montag, November 14, 2005
I want to make my music so that it doesn't force the performers of it into a particular groove, but which gives them some space in which they can breathe and do their own work with a degree of originality. I like to make suggestions, and then see what happens, rather than setting down laws and forcing people to follow them.
John Cage
Es ist etwas Gutes,
Chris
Donnerstag, November 10, 2005
Sinn und Bedeutung
Ein Gedicht von Lao-Tse:
Dreissig Speichen treffen sich in der Nabe.
Der freie Raum gibt dem Rad seinen Sinn.
Aus Ton dreht der Töpfer den Topf.
Der freie Raum gibt dem Topf seinen Sinn.
Türen und Fenster sind gemauert ins Haus.
Der freie Raum gibt dem Haus seinen Sinn.
In allem entsteht ein Sinn durch das, was ausgespart bleibt.
Im freien Raum liegt der Gewinn.
Oder, in anderer Form:
Dreißig Speichen treffen die Nabe - die Leere in der Mitte macht das Rad.
Ton formt man zu einem Krug - die Leere in der Mitte macht das Gefäß.
Türen und Fenster bricht man in Mauern - Die Leere in der Mitte macht
das Haus.
Die Form entsteht aus dem Sein - die Verwendung aus dem Nicht-Sein.
Es ist etwas Gutes,
Chris
Sonntag, Oktober 30, 2005
glücklich
Wenn du einen Tag glücklich sein willst, geh fischen.
Wenn du ein Jahr lang glücklich sein willst, habe ein Vermögen.
Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, liebe deine Arbeit.
Es wird etwas Gutes,
Chris
Innere Selbstverständigung
Es ist etwas Gutes geworden,
Chris
Der Literat
Später dann fragte ich: "Ich beschäftige mich gerade mit einem Satz des Dalai Lama, der rät: Gehe jedes Jahr an einen Ort, an dem Du noch nicht gewesen bist. Haben Sie dies dieses Jahr schon getan?" Der alte Herr, mit Namen Leonhard Ostendorf-Terfloth, antwortet: "Natürlich!! Das tue ich jeden Tag! Jeden Tag denke ich etwas, das ich zuvor noch nicht gedacht habe." Und erzählt von seinen Geschichten und Büchern, vor allem von jenem, das er vor über 30 Jahren begann zu schreiben, mit dem Titel "Der Biß in die Wärmflasche", und noch immer warte er auf den Punkt, den entscheidenden...
Es wird etwas Gutes,
Chris
Montag, Oktober 17, 2005
Schicksal
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)
Das habe ich in diesem Sommer begriffen - und versuche nun, danach zu handeln.
Es wird etwas Gutes,
Chris
Montag, Oktober 03, 2005
Weg nach Berlin
Auf der Fahrt nach Berlin, rückwärts. Die Sonne im Gesicht, weiter blauer Himmel, Genuß der ewigen Ebene zwischen Minden und Magdeburg.
Ein voller IC, nachmittags am Feiertag, Wiedervereinigungstag, ohne Bedeutung für uns.
Ziel heute ist die Reise, endlich einmal nicht die Beantwortung der großen Fragen. Nur die Reise. Ein bisschen brandeins, ein paar Hörbuch-Samples von Heinrich Mann über Jane Austen bis Corinna Fröhlich und ihren Ausreißerträumen.
In Berlin warten fünf Gespräche mit mir bisher unbekannten Personen, Informationen sammeln. Organisationsentwicklung, droppingknowledge, berlinpolis, ManagementZentrumWitten, GTZ. Der Anlaß der Reise war das Treffen mit M., Ideen schmieden, anfangen, umzusetzen. Tatsächlich gar nicht der perfekte Zeitpunkt für ihn – sein Wunsch ist der Abschluß des Schreibens seiner Diss Ende des Jahres. Für uns aber genau richtig, an der Weiche zu neuen Zielen, Businessfeldern.
Der Duft der Bremsen, so charakteristisch für die Bahn. So oft in der Nase gehabt.
Rechts (aus meiner rückwärtigen Sicht) das VW-Werk.
Bin nun in der Mitte, der nicht mehr existenten. Der neuen?
Weiter warten in Berlin T., S. und N. – wieder reine heile Welt. Ich begrüßte sie heute mittag zurück in Deutschland, nach zehn Wochen Kalifornien. Danach eine zweite Amerika-Rückkehrerin: M. Ein einziger OpenSpace. So reflektiert und genießend. Treffen nächste Woche.
Gestern abend besuchte uns unsere Freundin C., im Studium, einer Hausarbeit, im Krankenschwesterjob. Und in der Liebe zu A., ihrem indischen Freund.
Gespräch über C., Freund von uns allen, und seinem Zusammenzug mit K.. C. sagt, sie empfinde vertiefte Treffen mit ihm und begründet das mit ihrer Ansicht seiner Unsicherheit dieses Schrittes. Ich beschreibe die Entfernung zwischen uns. Sie verwendet den Begriff des Erwachens, auf diesen Moment hofft und wartet sie. Für K. ist dieses Wort Ausgangspunkt für Hoffnung, ebenfalls, aber nur sehr geringer. Und für mich ist dies eher der Beginn des Einschlafens, der Beruhigung, des Zurückzugs. Des Hinnehmens. Ich hoffe jedoch auch, auf ein Wiederkommen.
Weite Wolkenfelder nun, Zonenrandgebiet, warmes Licht.
In Münster verließ ich die heile Welt, wie so oft zuletzt, auf den Reisen nach Bremen und Hamburg. Offenlegung des Zustands des Landes. Viel Reichtum, noch viel mehr Armut. Immer offensichtlicher. Immer größere Extreme, größere Gräben. Wie lange wird unsere Gesellschaft sie noch überbrücken können, Aufstände gar nicht denkbar halten? Oder kommt vielleicht doch die Erneuerung von innen, mit neuer Solidarität, Spielen und Freiheiten. Einer neuen Gerechtigkeit, die Belastungen auf den starken Schultern hält und Befreiungen auf den schmalen, kleinen.
Neben mir eine Schülerin, nach vielem Seufzen gerade fertig mit ihren Hausaufgaben. Was bewirkt das Archiv der Zukunft (www.archiv-der-zukunft.de) schon? Wo wird gehandelt? In meinem direkten Umfeld nicht: Die beiden Ch.s, beide Lehrer, sind fern von der Idee, etwas anders zu machen, selbst zu handeln, Freiheiten zu schaffen. Sie sind in den ersten Jahren ihrer Berufstätigkeit noch damit beschäftigt, das Soll zu erfüllen, die Erwartungen nicht zu enttäuschen, die Eltern zu besänftigen. Noch kein Platz für Kinder. Seltsame Welt.
Neulich, bei der Lecture von Reinhard Kahl (www.reinhardkahl.de) freute ich mich so über die Beispiele der Eigeninitiative, Menschen, die etwas in die Hand nehmen und ändern. Gar die große große Koalition in Wiesbaden, die den Neubau der Helene-Lange-Schule ermöglichte. Und im Bund? Streit über die Macht, im Zentrum einzig und allein und nachvollziehbar Persönlichkeiten, gekränkte Eitelkeiten, Fiesimatenten. Themen stehen schon lange nicht mehr in der Diskussion – was wird mit der Windkraft, wie lange werden wir die Sicherheitsrisiken der AKWs noch weiterführen, wer führt die großartige Außenpolitik Fischers weiter (und wird er Außenminister der EU?), wie wird die Türkei am besten an die EU herangeführt, wie die EU an die Türkei, was machen wir mit dem Gesundheits-, dem Rentensystem, wie kommen wir weg vom Ziel der Vollbeschäftigung hin zu einer Grundsicherung für alle Bürger und der Schaffung eines weltweit strahlenden Beispiels eines freien Landes für freie Bürger, wie wird weiter mit weißer und grüner Gentechnik umgegangen, wie die eine (die weiße) ermöglicht und ausgebaut und die andere (die grüne) mit Schranken versehen, mit Haftungszwängen, wie kriegen wir die wachsende Verschuldung von Bund, Ländern und Kommunen in den Griff, wie reformieren wir das Bildungssystem etc. etc. pepe... ?
K.M., seit kurzem auch im Bundestag, kann mitgestalten, kann gut reden, hat Wissen, aber auch die geistige Offen- und Freiheit, wirklich Neues zu schaffen, zu bewegen? Und wieder sind wir bei der Hoffnung, auch hier. Auch bei mir. Das Jahresende naht. Urlaubswünsche. Jobperspektiven, die Selbständigkeit. Breite Schultern, breite Brust, und noch immer die Frage nach dem genauen Ziel.
Nun, es wird etwas Gutes – und ist es schon, jetzt, hier, im Zug,
C.
Freitag, September 30, 2005
Wo ist die Politik nach der Wahl?
Nachdem wir nun schon die dritte Wahl hintereinander hatten, in der nicht gewählt, sondern abgewählt wurde (1998: Kohl abgewählt, 2002: Stoiber nicht gewählt, 2005: Merkel und Schröder nicht bzw. abgewählt), stellt sich die Frage: Wo ist die Politik?
In Berlin und in den Länderhaupstädten nicht mehr. In den Bundesverbänden ebenfalls nicht, höchstens profitgesteuerte Industriepolitik. Also muß sie irgendwo in der Gesellschaft sein, gebildet werden, wie aber das ohne Politisierung? Geht sie verloren?
In meiner Doktorarbeit schrieb ich vom Pragmatismus der Jugendlichen, die die Welt nicht in Frage stellen, sondern auf den vorfindbaren Gegebenheiten etwas neues bauen, sich ihre Nische suchen und einfach aufbauen. Das ist ihr Ansatz. Wo ist der des Restes der Gesellschaft? Die Politik der Älteren? Kompletter Rückzug oder vielleicht noch das AWO-Engagement? Reicht das?
Es reicht auf jeden Fall nicht, sich daran zu erfreuen, zu kritisieren, etwas nicht gut zu heißen. Also genau das zu tun, was wohl 95% der Wahlbevölkerung in diesem Sommer tat.
Vorschlag: An das Gute denken, hinweisen. Es gibt sie, all die Orte neuer Politik, der Ideen, der positiven Projekte. Menschen, die sich vorstellen, was gelingen kann!
Der Journalist Reinhard Kahl (reinhardkahl.de) nennt dies Polytik: Die Vielfalt, die gegen die Einfalt mobilisiert wird. Als Beispiel eine große Koalition zu einem Bildungsprojekt in Wiesbaden, dem alle Parteien zustimmten.
Vielleicht müssen sie das gar nicht. Vieles gelingt auch ohne die Zustimmung derer, die entmachtet und entkräftet oben versuchen zu steuern, zu regieren.
Daran muß weitergemacht werden. Dann gibts zwar kaum noch Übersicht und Zentralismus, dafür aber Lebendigkeit im Hier und Jetzt!
Es wird etwas Gutes, ist es ja schon,
vielen Dank fürs Lesen und Denken,
Chris