Donnerstag, November 10, 2005

Sinn und Bedeutung

Ein Gedicht von Lao-Tse:

Dreissig Speichen treffen sich in der Nabe.
Der freie Raum gibt dem Rad seinen Sinn.
Aus Ton dreht der Töpfer den Topf.
Der freie Raum gibt dem Topf seinen Sinn.
Türen und Fenster sind gemauert ins Haus.
Der freie Raum gibt dem Haus seinen Sinn.
In allem entsteht ein Sinn durch das, was ausgespart bleibt.
Im freien Raum liegt der Gewinn.

Oder, in anderer Form:

Dreißig Speichen treffen die Nabe - die Leere in der Mitte macht das Rad.
Ton formt man zu einem Krug - die Leere in der Mitte macht das Gefäß.
Türen und Fenster bricht man in Mauern - Die Leere in der Mitte macht
das Haus.
Die Form entsteht aus dem Sein - die Verwendung aus dem Nicht-Sein.

Es ist etwas Gutes,
Chris

Sonntag, Oktober 30, 2005

glücklich

Wenn du eine Stunde lang glücklich sein willst, schlafe.
Wenn du einen Tag glücklich sein willst, geh fischen.
Wenn du ein Jahr lang glücklich sein willst, habe ein Vermögen.
Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, liebe deine Arbeit.

Es wird etwas Gutes,
Chris

Innere Selbstverständigung

Meine "innere Selbstverständigung" bezüglich meines beruflichen Status-quo ist abgeschlossen - eröffnet hat sich diese in Fragen der Unternehmenspolitik und ethischen Verantwortung, in der Europapolitik (quo vademus?) und in vielen Themen der deutschen Politik (Außenpolitik, Sozialstaat, Kulturpolitik etc.). Das ist gut so und diese Fragen müssen sich auch immer wieder neu stellen, nicht nur bei Regierungs- oder Jobwechseln.
Es ist etwas Gutes geworden,
Chris

Der Literat

Neulich im Wienburg-Park, an einem sonnigen Nachmittag, ich sitze auf einer Parkbank in der Sonne, ein etwas älterer Herr mit langem weißen Bart kommt angeradelt, fragt: "Gestatten Sie, daß ich mich setze?" Ich antworte: "Na klar, ist ja Platz. So freundlich wird man selten gefragt." Darauf er: "Ja, genau, neulich setzte sich einfach jemand zu mir, ohne zu fragen, und begann dann zu rauchen und mich zu verpesten. Da wurde ich aber sauer..."
Später dann fragte ich: "Ich beschäftige mich gerade mit einem Satz des Dalai Lama, der rät: Gehe jedes Jahr an einen Ort, an dem Du noch nicht gewesen bist. Haben Sie dies dieses Jahr schon getan?" Der alte Herr, mit Namen Leonhard Ostendorf-Terfloth, antwortet: "Natürlich!! Das tue ich jeden Tag! Jeden Tag denke ich etwas, das ich zuvor noch nicht gedacht habe." Und erzählt von seinen Geschichten und Büchern, vor allem von jenem, das er vor über 30 Jahren begann zu schreiben, mit dem Titel "Der Biß in die Wärmflasche", und noch immer warte er auf den Punkt, den entscheidenden...

Es wird etwas Gutes,
Chris

Montag, Oktober 17, 2005

Schicksal

"Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus."

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)


Das habe ich in diesem Sommer begriffen - und versuche nun, danach zu handeln.

Es wird etwas Gutes,
Chris

Montag, Oktober 03, 2005

Weg nach Berlin

Auf der Fahrt nach Berlin, rückwärts. Die Sonne im Gesicht, weiter blauer Himmel, Genuß der ewigen Ebene zwischen Minden und Magdeburg.

Ein voller IC, nachmittags am Feiertag, Wiedervereinigungstag, ohne Bedeutung für uns.

Ziel heute ist die Reise, endlich einmal nicht die Beantwortung der großen Fragen. Nur die Reise. Ein bisschen brandeins, ein paar Hörbuch-Samples von Heinrich Mann über Jane Austen bis Corinna Fröhlich und ihren Ausreißerträumen.

In Berlin warten fünf Gespräche mit mir bisher unbekannten Personen, Informationen sammeln. Organisationsentwicklung, droppingknowledge, berlinpolis, ManagementZentrumWitten, GTZ. Der Anlaß der Reise war das Treffen mit M., Ideen schmieden, anfangen, umzusetzen. Tatsächlich gar nicht der perfekte Zeitpunkt für ihn – sein Wunsch ist der Abschluß des Schreibens seiner Diss Ende des Jahres. Für uns aber genau richtig, an der Weiche zu neuen Zielen, Businessfeldern.

Der Duft der Bremsen, so charakteristisch für die Bahn. So oft in der Nase gehabt.

Rechts (aus meiner rückwärtigen Sicht) das VW-Werk.

Bin nun in der Mitte, der nicht mehr existenten. Der neuen?

Weiter warten in Berlin T., S. und N. – wieder reine heile Welt. Ich begrüßte sie heute mittag zurück in Deutschland, nach zehn Wochen Kalifornien. Danach eine zweite Amerika-Rückkehrerin: M. Ein einziger OpenSpace. So reflektiert und genießend. Treffen nächste Woche.

Gestern abend besuchte uns unsere Freundin C., im Studium, einer Hausarbeit, im Krankenschwesterjob. Und in der Liebe zu A., ihrem indischen Freund.

Gespräch über C., Freund von uns allen, und seinem Zusammenzug mit K.. C. sagt, sie empfinde vertiefte Treffen mit ihm und begründet das mit ihrer Ansicht seiner Unsicherheit dieses Schrittes. Ich beschreibe die Entfernung zwischen uns. Sie verwendet den Begriff des Erwachens, auf diesen Moment hofft und wartet sie. Für K. ist dieses Wort Ausgangspunkt für Hoffnung, ebenfalls, aber nur sehr geringer. Und für mich ist dies eher der Beginn des Einschlafens, der Beruhigung, des Zurückzugs. Des Hinnehmens. Ich hoffe jedoch auch, auf ein Wiederkommen.

Weite Wolkenfelder nun, Zonenrandgebiet, warmes Licht.

In Münster verließ ich die heile Welt, wie so oft zuletzt, auf den Reisen nach Bremen und Hamburg. Offenlegung des Zustands des Landes. Viel Reichtum, noch viel mehr Armut. Immer offensichtlicher. Immer größere Extreme, größere Gräben. Wie lange wird unsere Gesellschaft sie noch überbrücken können, Aufstände gar nicht denkbar halten? Oder kommt vielleicht doch die Erneuerung von innen, mit neuer Solidarität, Spielen und Freiheiten. Einer neuen Gerechtigkeit, die Belastungen auf den starken Schultern hält und Befreiungen auf den schmalen, kleinen.

Neben mir eine Schülerin, nach vielem Seufzen gerade fertig mit ihren Hausaufgaben. Was bewirkt das Archiv der Zukunft (www.archiv-der-zukunft.de) schon? Wo wird gehandelt? In meinem direkten Umfeld nicht: Die beiden Ch.s, beide Lehrer, sind fern von der Idee, etwas anders zu machen, selbst zu handeln, Freiheiten zu schaffen. Sie sind in den ersten Jahren ihrer Berufstätigkeit noch damit beschäftigt, das Soll zu erfüllen, die Erwartungen nicht zu enttäuschen, die Eltern zu besänftigen. Noch kein Platz für Kinder. Seltsame Welt.

Neulich, bei der Lecture von Reinhard Kahl (www.reinhardkahl.de) freute ich mich so über die Beispiele der Eigeninitiative, Menschen, die etwas in die Hand nehmen und ändern. Gar die große große Koalition in Wiesbaden, die den Neubau der Helene-Lange-Schule ermöglichte. Und im Bund? Streit über die Macht, im Zentrum einzig und allein und nachvollziehbar Persönlichkeiten, gekränkte Eitelkeiten, Fiesimatenten. Themen stehen schon lange nicht mehr in der Diskussion – was wird mit der Windkraft, wie lange werden wir die Sicherheitsrisiken der AKWs noch weiterführen, wer führt die großartige Außenpolitik Fischers weiter (und wird er Außenminister der EU?), wie wird die Türkei am besten an die EU herangeführt, wie die EU an die Türkei, was machen wir mit dem Gesundheits-, dem Rentensystem, wie kommen wir weg vom Ziel der Vollbeschäftigung hin zu einer Grundsicherung für alle Bürger und der Schaffung eines weltweit strahlenden Beispiels eines freien Landes für freie Bürger, wie wird weiter mit weißer und grüner Gentechnik umgegangen, wie die eine (die weiße) ermöglicht und ausgebaut und die andere (die grüne) mit Schranken versehen, mit Haftungszwängen, wie kriegen wir die wachsende Verschuldung von Bund, Ländern und Kommunen in den Griff, wie reformieren wir das Bildungssystem etc. etc. pepe... ?

K.M., seit kurzem auch im Bundestag, kann mitgestalten, kann gut reden, hat Wissen, aber auch die geistige Offen- und Freiheit, wirklich Neues zu schaffen, zu bewegen? Und wieder sind wir bei der Hoffnung, auch hier. Auch bei mir. Das Jahresende naht. Urlaubswünsche. Jobperspektiven, die Selbständigkeit. Breite Schultern, breite Brust, und noch immer die Frage nach dem genauen Ziel.

Nun, es wird etwas Gutes – und ist es schon, jetzt, hier, im Zug,

C.

Freitag, September 30, 2005

Wo ist die Politik nach der Wahl?

Bereits vor der Wahl war Politik nicht mehr zu finden: Der Wahlkampf beschäftigte sich allein mit sich selbst, ohne Programme, ohne Inhalte, allein Umfragen, Show und Gestichel.
Nachdem wir nun schon die dritte Wahl hintereinander hatten, in der nicht gewählt, sondern abgewählt wurde (1998: Kohl abgewählt, 2002: Stoiber nicht gewählt, 2005: Merkel und Schröder nicht bzw. abgewählt), stellt sich die Frage: Wo ist die Politik?
In Berlin und in den Länderhaupstädten nicht mehr. In den Bundesverbänden ebenfalls nicht, höchstens profitgesteuerte Industriepolitik. Also muß sie irgendwo in der Gesellschaft sein, gebildet werden, wie aber das ohne Politisierung? Geht sie verloren?
In meiner Doktorarbeit schrieb ich vom Pragmatismus der Jugendlichen, die die Welt nicht in Frage stellen, sondern auf den vorfindbaren Gegebenheiten etwas neues bauen, sich ihre Nische suchen und einfach aufbauen. Das ist ihr Ansatz. Wo ist der des Restes der Gesellschaft? Die Politik der Älteren? Kompletter Rückzug oder vielleicht noch das AWO-Engagement? Reicht das?
Es reicht auf jeden Fall nicht, sich daran zu erfreuen, zu kritisieren, etwas nicht gut zu heißen. Also genau das zu tun, was wohl 95% der Wahlbevölkerung in diesem Sommer tat.
Vorschlag: An das Gute denken, hinweisen. Es gibt sie, all die Orte neuer Politik, der Ideen, der positiven Projekte. Menschen, die sich vorstellen, was gelingen kann!
Der Journalist Reinhard Kahl (reinhardkahl.de) nennt dies Polytik: Die Vielfalt, die gegen die Einfalt mobilisiert wird. Als Beispiel eine große Koalition zu einem Bildungsprojekt in Wiesbaden, dem alle Parteien zustimmten.
Vielleicht müssen sie das gar nicht. Vieles gelingt auch ohne die Zustimmung derer, die entmachtet und entkräftet oben versuchen zu steuern, zu regieren.
Daran muß weitergemacht werden. Dann gibts zwar kaum noch Übersicht und Zentralismus, dafür aber Lebendigkeit im Hier und Jetzt!
Es wird etwas Gutes, ist es ja schon,
vielen Dank fürs Lesen und Denken,
Chris

Dienstag, September 20, 2005

Segmentierung

Ich sehe aktuell zwei sich bildende soziale, kulturell aktive bzw. rezipierende und wirtschaftlich konsumierende Gruppen in der Gesellschaft:
Auf der einen Seite die "Kulturell Kreativen" (vgl. Paul Ray / Sherry Ruth Anderson: The Cultural Creatives, Harmony Books 2000), die pragmatisch mit den Gegebenheiten umgehen, sich eigene Nischen suchen und Spielräume schaffen, in denen sie ihre Werte von Solidarität, Individualimus, Glokalismus (global reisen, lokal leben, glokal handeln), nachhaltigen Konsum und progressiv-konservativer politischer Einstellung (progressiv: gewollt sind grundlegende Reformen, konservativ: gewollt ist aber auch der Sozialstaat) ausführen und praktizieren.
Dieser Gruppe steht auf der anderen Seite die der enttäuschten Moderne-Verlierer gegenüber, die zwar auch relativ pragmatisch auf Gegebenheiten reagiert, diese jedoch nicht in dem Sinne überblickt, daß sie sich ihre Nische suchen, sondern passiv dort verbleiben, wo sie nach beruflicher Sozialisation stehen. Sie leben lokal, reisen regional und handeln national. Sie konsumieren nur das Billigste, bevorzugen aber ein Hobby, das sie mit immenser Geldausstattung verfolgen. Ihre politische Einstellung ist ebenfalls konservativ-progressiv, aber mit veränderten Vorzeichen: Sie zählen auf den Sozialstaat, sind aber nicht zu irgendeiner Reform bereit, die sie selbst betrifft. Bei Wahlen sind sie bis zum letzten Moment wechselfreudig, kurzfristig denkend und lassen sich führen.
Im Gegensatz zu Erstgenannten, die potentiell oder tatsächlich führen.
So unterstützen erstere Aktivitäten wie die Global Marshall Plan Initiative oder Deine Stimme gegen Armut, letztere RTL2 und ebay.
Beide Gruppen kommen gemeinhin gut miteinander aus (solange eine externe Mobilisierung der zweiten Gruppierung ausbleibt), Konflikte ereignen sich nur in peripheren Schauplätzen wie Fantum für Musik oder Sport.
Sie begegnen sich in der Familie oder im Supermarkt, gelegentlich noch auf der Fußballtribüne (wobei letztere dort immer weniger, erstere immer mehr werden) oder bei RyanAir.
Regiert werden beide noch von 68ern, deren Gegnern und Vorgängern, sie sitzen jedoch schon in der 2. Reihe der Macht, im Bundestag oder im Vorstand - bereit für den Sprung nach vorn.

Es wird gut werden,
Chris

Mittwoch, September 14, 2005

Anstössig

Wer nie anstössig war, hat auch nie Anstösse gegeben.

So oft schon war ich anstössig, ich bezeichnete das immer als provokant, provozierend.
In jeder Organisation, gar in der Familie, im Freundeskreis provozierte ich so oft, mit Worten, Taten, Dingen.
Habe ich aber auch Anstösse gegeben? Sicher, im Job ne Menge. In der Familie auch. Zum Teil auch im Freundeskreis. Aber auch die richtigen?
Gilt dieser Umkehrschluß?

Es wird etwas Gutes,
Chris

Dienstag, September 13, 2005

Basics

Drei GrundSätze:

Der Vergleich zerstört das Glück.

Das Glück folgt der Entschiedenheit.

Allein die Freiheit macht verantwortlich.