Sonntag, Dezember 25, 2005

Rückschau

Für mich geht ein dermaßen ereignis- und lehrreiches Jahr zu Ende, daß ich meiner Überzeugung kaum folgen kann, daß das nächste noch toller werden wird.

Im ersten Halbjahr arbeitete ich sehr viel an mir selbst, führte vereinzelte Gespräche, arbeitete mal hier, mal da, ohne aber wirklich einen Zug in meinen Aktivitäten zu spüren. Klar war ich jeden Tag aktiv, hatte immer was zu tun, die Zielrichtung war hingegen selten klar.
Unter anderem nahm ich an einem Projekt in Oberhausen teil, das sich "Gründen im Team" nannte und - wie der Titel schon sagt - gemeinsam erarbeitete Selbständigkeiten zum Ziel hatte. Nachdem ich zunächst wie es so meine Art ist, ziemlich zurückhaltend mitarbeitete, outete ich mich nach etwa zwei Dritteln des auf drei Monaten angelegten Prozesses mit einem eigenen Thema und verwandte ab da mehr Zeit für das, was ich wirklich wollte - und enthielt meine konstruktive Mitarbeit ab da der Gruppe, in der ich bis dato arbeitet, vor. Nachdem ich dann ziemlich intensiv an einem Businessplan arbeitete, kam ein recht gutes Papier zum Thema CSR-Beratung (Corporate Social Responsibility - aktive Teilhabe von Unternehmen am Gemeinwohl) heraus, das ich auch vor einigen Gremien mit Bänkern, Vertretern von Wirtschaftsförderungen, Agenturen für Arbeit, IHKs und HWKs präsentierte. Alle fanden das immer sehr überzeugend.
Birgit half mir dann entscheidend dabei, diesen Plan auch von meiner Agentur für Arbeit anerkennen zu lassen - falls das mal jemand von Euch vor hat: Birgit ist die Beste dabei!
Als ich dann mit meinen Anliegen Gespräche führte, erstmal, um den Markt, andere Anbieter und mögliche Kooperationspartner kennenzulernen, merkte ich schnell, daß ich das eigentlich gar nicht lebe. Ich kann das gut, weiß sehr viel darüber, es sind auch einige der Tätigkeiten enthalten, die ich gerne mache, aber so richtig Feuer spüre ich nicht dabei. Klar wurde mir das spätestens, als ich in einem konkreten Projekt für die Deutsche Post mitarbeitete und dieses immer weiter vor mir herschob ;-)
Tja, was dann?
Erstmal fiel ich in ein großes Loch. Das war im August. Da war plötzlich überhaupt nichts mehr, keine Zuversicht, keine Ideen, keine Lust, keine Kraft. Nur Frustration. All das kam auch daher, weil ich - wie Ihr ja mitbekamt - eine Absage auf einen Job erhielt, den ich damals gerne gemacht hätte - zu gern für den potentiellen Arbeitgeber. :-)))
Wunderbarerweise hatte ich Euer aller Feed-back, das mich auf so viele neue Gedanken brachte.
Allein, im August wußte ich noch immer nicht weiter.
Von Maja hörte ich dann von einer Tagung in Hamburg. Es ging um kulturelle Bildung in Europa. Ich meldete mich und zwei Freundinnen an, fuhr hin, bekam ne Menge Eindrücke, gar ein paar wenige Kontakte. Erlebte Maja und Kerstin bei Ihrer Arbeit mit der Schultanzgruppe - die an diesem wunderbaren Projekt mitarbeiteten, ganz nah oder sogar an dem, was sie wirklich wollen. Welch emotionalen Momente das waren, werde ich nie vergessen.
Danach, es war noch immer August, passierte zwar auch erstmal nichts, aber im September begann ich auf eine Weise aktiv zu werden, ungeplant, unvorhergesehen, noch immer nicht wissend, wie es kam, die bis heute anhält und mir kaum noch Zeit zum Durchatmen ließ.
Ich fuhr heftigst durch die Gegend, führte eine Masse an Gesprächen (über 40), besuchte Tagungen, Kongresse, Seminare, lernte viel Leute kennen und begann, immer mehr und unbewußt auf meinen Bauch zu hören und danach zu handeln. Was passiert war, dass vieles, fast alles, leicht fiel, es passierten gar wunderbare Dinge von allein.
Ich lernte so so viel, bildete mich weiter, entwickelte mich.
Und in all dem kamen dann plötzlich Leute und fragten, ob ich nicht dieses oder jenes tun könnte für sie. Klar konnte ich. Ich organisierte hier ein bisschen mit, führte dort ein Interview, lektorierte, moderierte und machte manches andere. Ich hatte gut zu tun, machte Dinge, die mir Spaß machen, bekam sogar Geld dafür oder entsprechende Gegenleistungen und realisierte dann irgendwann: Hey, ja, ich bin selbständig.
Jetzt habe ich im Augenblick zwar nur einen richtigen Auftraggeber (die Bundeszentrale für politische Bildung), in deren Projekt ich bis Ende Februar gut zu tun habe, rühre aber in vielen Töpfen, kreiere Ideen, Projekte und mögliche Kooperationen.
Und arbeite gerade an einem griffigen Profil, mit dem ich mich und meine Kompetenzen all jenen anbieten kann, die ich kennenlernte, eh ich mich selbständig nannte.
Und es waren so so viele wunderbare Momente in den letzten Monaten: Als wir in einer subversiven Aktion als Angriff auf die deutsche Depression im Bannkreis in Berlin, direkt zwischen Paul-Löbe-Haus und Kanzleramt, eine Trauerweide pflanzten, unangemeldet. Sie steht da noch heute. Als ich merkte, wie sich einzelne Ideenfäden zusammenfanden und andere Menschen diese interessierten. Als ich einfach von mir selbst sprechen konnte, ohne irgendein Bild zu verfolgen, das ich von mir herumtrug. Als ich mal wieder an einem Open Space teilnahm, in Berlin, zum Thema "Practice of Peace" und wunderbare Menschen aus der ganzen Welt kennenlernte. Im Fluß war. Mit Menschen zusammenwar, die ich schätzte und es nicht mehr um Personen, sondern nur noch um die Sache ging, um Ideen und Projekte. Als ich tatsächlich auch mal so richtig mein Szenario verfolgte und einige Menschen im Musikbusiness kennenlernte (wo ich zwar keine Perspektiven habe - aber ein paar konkrete Vorschläge), und dann bspw. der Generalsekretär des Dt. Musikrats während einer Veranstaltung - auf der ich meinen inneren Schweinhund überwand und vor dem kompletten Plenum per Mikrofon einmal meiner Meinung Luft machte - auf mich zukam und mich nach meiner Ansicht fragte. Sich Leute bei mir für meine Äußerungen bedankten. Als ich eine weitere Absage von einem Projekt bekam, an dem ich so gerne mitgearbeitet hätte (droppingknowledge.org), aber zwei nette I-Gespräche führte und es okay so ist. Als ich loslassen konnte und alles leichter war. Als ich vier Monate meinen lieben Coach nicht mehr anrief und seine tollen Fragen nicht vermisste und nicht benötigte. Als ich zu Weihnachten Post von Leuten bekam, die ich seit zwei Jahren nicht mehr sprach, die immer noch an mich denken. Als ich nach nur kurzem Auftenthalt trotz Essenseinladung das Frank O. Gehry-Haus am Pariser Platz in Berlin verliess, weil ich besseres als Small Talk zu tun hatte. Und ich vorgestern von meiner Buchhändlerin den neuen Irving bekam, der erst im Februar erscheint (und den sie schon voller Begeisterung anlas und kaum hergeben konnte), weil sie weiß, daß ich seine Romane sehr schätze. Als ich von einem Beratungsunternehmen gefragt wurde, ob ich unter ihrem Dach arbeiten möchte, unter ihrem Namen, auf eigene Rechnung.
All das klingt natürlich sehr gut, was dieses Mal anders ist, ist, dass ich weiß, dass dies einfach eine gute Phase ist, der eine schwierige wieder mal folgen kann.
Und ich habe gelernt, dass ich gar nicht mehr so viel Input brauche, sondern schon ganz ganz viel drauf habe, das ich anderen geben kann. Die genau das möchten oder brauchen.
Mal schaun, wie das weitergeht...
Morgen verschwinde ich mit meiner Lebensgefährtin erstmal für zwei Wochen in die Ferne und freue mich schon jetzt unbändig auf das neue Jahr (ich finde, eine 6 lässt sich viel besser schreiben als eine 5 ;-) und all das, was passieren wird.


Es ist etwas Gutes,

Chris

Montag, November 14, 2005

Nun, heute zwei Sätze von John Cage, die illustrieren, wie ich mir Führung / Führungsarbeit / Führungsleistung und mein selbständiges Wirken vorstelle:

I want to make my music so that it doesn't force the performers of it into a particular groove, but which gives them some space in which they can breathe and do their own work with a degree of originality. I like to make suggestions, and then see what happens, rather than setting down laws and forcing people to follow them.
John Cage


Es ist etwas Gutes,
Chris

Donnerstag, November 10, 2005

Sinn und Bedeutung

Ein Gedicht von Lao-Tse:

Dreissig Speichen treffen sich in der Nabe.
Der freie Raum gibt dem Rad seinen Sinn.
Aus Ton dreht der Töpfer den Topf.
Der freie Raum gibt dem Topf seinen Sinn.
Türen und Fenster sind gemauert ins Haus.
Der freie Raum gibt dem Haus seinen Sinn.
In allem entsteht ein Sinn durch das, was ausgespart bleibt.
Im freien Raum liegt der Gewinn.

Oder, in anderer Form:

Dreißig Speichen treffen die Nabe - die Leere in der Mitte macht das Rad.
Ton formt man zu einem Krug - die Leere in der Mitte macht das Gefäß.
Türen und Fenster bricht man in Mauern - Die Leere in der Mitte macht
das Haus.
Die Form entsteht aus dem Sein - die Verwendung aus dem Nicht-Sein.

Es ist etwas Gutes,
Chris

Sonntag, Oktober 30, 2005

glücklich

Wenn du eine Stunde lang glücklich sein willst, schlafe.
Wenn du einen Tag glücklich sein willst, geh fischen.
Wenn du ein Jahr lang glücklich sein willst, habe ein Vermögen.
Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, liebe deine Arbeit.

Es wird etwas Gutes,
Chris

Innere Selbstverständigung

Meine "innere Selbstverständigung" bezüglich meines beruflichen Status-quo ist abgeschlossen - eröffnet hat sich diese in Fragen der Unternehmenspolitik und ethischen Verantwortung, in der Europapolitik (quo vademus?) und in vielen Themen der deutschen Politik (Außenpolitik, Sozialstaat, Kulturpolitik etc.). Das ist gut so und diese Fragen müssen sich auch immer wieder neu stellen, nicht nur bei Regierungs- oder Jobwechseln.
Es ist etwas Gutes geworden,
Chris

Der Literat

Neulich im Wienburg-Park, an einem sonnigen Nachmittag, ich sitze auf einer Parkbank in der Sonne, ein etwas älterer Herr mit langem weißen Bart kommt angeradelt, fragt: "Gestatten Sie, daß ich mich setze?" Ich antworte: "Na klar, ist ja Platz. So freundlich wird man selten gefragt." Darauf er: "Ja, genau, neulich setzte sich einfach jemand zu mir, ohne zu fragen, und begann dann zu rauchen und mich zu verpesten. Da wurde ich aber sauer..."
Später dann fragte ich: "Ich beschäftige mich gerade mit einem Satz des Dalai Lama, der rät: Gehe jedes Jahr an einen Ort, an dem Du noch nicht gewesen bist. Haben Sie dies dieses Jahr schon getan?" Der alte Herr, mit Namen Leonhard Ostendorf-Terfloth, antwortet: "Natürlich!! Das tue ich jeden Tag! Jeden Tag denke ich etwas, das ich zuvor noch nicht gedacht habe." Und erzählt von seinen Geschichten und Büchern, vor allem von jenem, das er vor über 30 Jahren begann zu schreiben, mit dem Titel "Der Biß in die Wärmflasche", und noch immer warte er auf den Punkt, den entscheidenden...

Es wird etwas Gutes,
Chris

Montag, Oktober 17, 2005

Schicksal

"Nicht was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus."

Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)


Das habe ich in diesem Sommer begriffen - und versuche nun, danach zu handeln.

Es wird etwas Gutes,
Chris

Montag, Oktober 03, 2005

Weg nach Berlin

Auf der Fahrt nach Berlin, rückwärts. Die Sonne im Gesicht, weiter blauer Himmel, Genuß der ewigen Ebene zwischen Minden und Magdeburg.

Ein voller IC, nachmittags am Feiertag, Wiedervereinigungstag, ohne Bedeutung für uns.

Ziel heute ist die Reise, endlich einmal nicht die Beantwortung der großen Fragen. Nur die Reise. Ein bisschen brandeins, ein paar Hörbuch-Samples von Heinrich Mann über Jane Austen bis Corinna Fröhlich und ihren Ausreißerträumen.

In Berlin warten fünf Gespräche mit mir bisher unbekannten Personen, Informationen sammeln. Organisationsentwicklung, droppingknowledge, berlinpolis, ManagementZentrumWitten, GTZ. Der Anlaß der Reise war das Treffen mit M., Ideen schmieden, anfangen, umzusetzen. Tatsächlich gar nicht der perfekte Zeitpunkt für ihn – sein Wunsch ist der Abschluß des Schreibens seiner Diss Ende des Jahres. Für uns aber genau richtig, an der Weiche zu neuen Zielen, Businessfeldern.

Der Duft der Bremsen, so charakteristisch für die Bahn. So oft in der Nase gehabt.

Rechts (aus meiner rückwärtigen Sicht) das VW-Werk.

Bin nun in der Mitte, der nicht mehr existenten. Der neuen?

Weiter warten in Berlin T., S. und N. – wieder reine heile Welt. Ich begrüßte sie heute mittag zurück in Deutschland, nach zehn Wochen Kalifornien. Danach eine zweite Amerika-Rückkehrerin: M. Ein einziger OpenSpace. So reflektiert und genießend. Treffen nächste Woche.

Gestern abend besuchte uns unsere Freundin C., im Studium, einer Hausarbeit, im Krankenschwesterjob. Und in der Liebe zu A., ihrem indischen Freund.

Gespräch über C., Freund von uns allen, und seinem Zusammenzug mit K.. C. sagt, sie empfinde vertiefte Treffen mit ihm und begründet das mit ihrer Ansicht seiner Unsicherheit dieses Schrittes. Ich beschreibe die Entfernung zwischen uns. Sie verwendet den Begriff des Erwachens, auf diesen Moment hofft und wartet sie. Für K. ist dieses Wort Ausgangspunkt für Hoffnung, ebenfalls, aber nur sehr geringer. Und für mich ist dies eher der Beginn des Einschlafens, der Beruhigung, des Zurückzugs. Des Hinnehmens. Ich hoffe jedoch auch, auf ein Wiederkommen.

Weite Wolkenfelder nun, Zonenrandgebiet, warmes Licht.

In Münster verließ ich die heile Welt, wie so oft zuletzt, auf den Reisen nach Bremen und Hamburg. Offenlegung des Zustands des Landes. Viel Reichtum, noch viel mehr Armut. Immer offensichtlicher. Immer größere Extreme, größere Gräben. Wie lange wird unsere Gesellschaft sie noch überbrücken können, Aufstände gar nicht denkbar halten? Oder kommt vielleicht doch die Erneuerung von innen, mit neuer Solidarität, Spielen und Freiheiten. Einer neuen Gerechtigkeit, die Belastungen auf den starken Schultern hält und Befreiungen auf den schmalen, kleinen.

Neben mir eine Schülerin, nach vielem Seufzen gerade fertig mit ihren Hausaufgaben. Was bewirkt das Archiv der Zukunft (www.archiv-der-zukunft.de) schon? Wo wird gehandelt? In meinem direkten Umfeld nicht: Die beiden Ch.s, beide Lehrer, sind fern von der Idee, etwas anders zu machen, selbst zu handeln, Freiheiten zu schaffen. Sie sind in den ersten Jahren ihrer Berufstätigkeit noch damit beschäftigt, das Soll zu erfüllen, die Erwartungen nicht zu enttäuschen, die Eltern zu besänftigen. Noch kein Platz für Kinder. Seltsame Welt.

Neulich, bei der Lecture von Reinhard Kahl (www.reinhardkahl.de) freute ich mich so über die Beispiele der Eigeninitiative, Menschen, die etwas in die Hand nehmen und ändern. Gar die große große Koalition in Wiesbaden, die den Neubau der Helene-Lange-Schule ermöglichte. Und im Bund? Streit über die Macht, im Zentrum einzig und allein und nachvollziehbar Persönlichkeiten, gekränkte Eitelkeiten, Fiesimatenten. Themen stehen schon lange nicht mehr in der Diskussion – was wird mit der Windkraft, wie lange werden wir die Sicherheitsrisiken der AKWs noch weiterführen, wer führt die großartige Außenpolitik Fischers weiter (und wird er Außenminister der EU?), wie wird die Türkei am besten an die EU herangeführt, wie die EU an die Türkei, was machen wir mit dem Gesundheits-, dem Rentensystem, wie kommen wir weg vom Ziel der Vollbeschäftigung hin zu einer Grundsicherung für alle Bürger und der Schaffung eines weltweit strahlenden Beispiels eines freien Landes für freie Bürger, wie wird weiter mit weißer und grüner Gentechnik umgegangen, wie die eine (die weiße) ermöglicht und ausgebaut und die andere (die grüne) mit Schranken versehen, mit Haftungszwängen, wie kriegen wir die wachsende Verschuldung von Bund, Ländern und Kommunen in den Griff, wie reformieren wir das Bildungssystem etc. etc. pepe... ?

K.M., seit kurzem auch im Bundestag, kann mitgestalten, kann gut reden, hat Wissen, aber auch die geistige Offen- und Freiheit, wirklich Neues zu schaffen, zu bewegen? Und wieder sind wir bei der Hoffnung, auch hier. Auch bei mir. Das Jahresende naht. Urlaubswünsche. Jobperspektiven, die Selbständigkeit. Breite Schultern, breite Brust, und noch immer die Frage nach dem genauen Ziel.

Nun, es wird etwas Gutes – und ist es schon, jetzt, hier, im Zug,

C.

Freitag, September 30, 2005

Wo ist die Politik nach der Wahl?

Bereits vor der Wahl war Politik nicht mehr zu finden: Der Wahlkampf beschäftigte sich allein mit sich selbst, ohne Programme, ohne Inhalte, allein Umfragen, Show und Gestichel.
Nachdem wir nun schon die dritte Wahl hintereinander hatten, in der nicht gewählt, sondern abgewählt wurde (1998: Kohl abgewählt, 2002: Stoiber nicht gewählt, 2005: Merkel und Schröder nicht bzw. abgewählt), stellt sich die Frage: Wo ist die Politik?
In Berlin und in den Länderhaupstädten nicht mehr. In den Bundesverbänden ebenfalls nicht, höchstens profitgesteuerte Industriepolitik. Also muß sie irgendwo in der Gesellschaft sein, gebildet werden, wie aber das ohne Politisierung? Geht sie verloren?
In meiner Doktorarbeit schrieb ich vom Pragmatismus der Jugendlichen, die die Welt nicht in Frage stellen, sondern auf den vorfindbaren Gegebenheiten etwas neues bauen, sich ihre Nische suchen und einfach aufbauen. Das ist ihr Ansatz. Wo ist der des Restes der Gesellschaft? Die Politik der Älteren? Kompletter Rückzug oder vielleicht noch das AWO-Engagement? Reicht das?
Es reicht auf jeden Fall nicht, sich daran zu erfreuen, zu kritisieren, etwas nicht gut zu heißen. Also genau das zu tun, was wohl 95% der Wahlbevölkerung in diesem Sommer tat.
Vorschlag: An das Gute denken, hinweisen. Es gibt sie, all die Orte neuer Politik, der Ideen, der positiven Projekte. Menschen, die sich vorstellen, was gelingen kann!
Der Journalist Reinhard Kahl (reinhardkahl.de) nennt dies Polytik: Die Vielfalt, die gegen die Einfalt mobilisiert wird. Als Beispiel eine große Koalition zu einem Bildungsprojekt in Wiesbaden, dem alle Parteien zustimmten.
Vielleicht müssen sie das gar nicht. Vieles gelingt auch ohne die Zustimmung derer, die entmachtet und entkräftet oben versuchen zu steuern, zu regieren.
Daran muß weitergemacht werden. Dann gibts zwar kaum noch Übersicht und Zentralismus, dafür aber Lebendigkeit im Hier und Jetzt!
Es wird etwas Gutes, ist es ja schon,
vielen Dank fürs Lesen und Denken,
Chris

Dienstag, September 20, 2005

Segmentierung

Ich sehe aktuell zwei sich bildende soziale, kulturell aktive bzw. rezipierende und wirtschaftlich konsumierende Gruppen in der Gesellschaft:
Auf der einen Seite die "Kulturell Kreativen" (vgl. Paul Ray / Sherry Ruth Anderson: The Cultural Creatives, Harmony Books 2000), die pragmatisch mit den Gegebenheiten umgehen, sich eigene Nischen suchen und Spielräume schaffen, in denen sie ihre Werte von Solidarität, Individualimus, Glokalismus (global reisen, lokal leben, glokal handeln), nachhaltigen Konsum und progressiv-konservativer politischer Einstellung (progressiv: gewollt sind grundlegende Reformen, konservativ: gewollt ist aber auch der Sozialstaat) ausführen und praktizieren.
Dieser Gruppe steht auf der anderen Seite die der enttäuschten Moderne-Verlierer gegenüber, die zwar auch relativ pragmatisch auf Gegebenheiten reagiert, diese jedoch nicht in dem Sinne überblickt, daß sie sich ihre Nische suchen, sondern passiv dort verbleiben, wo sie nach beruflicher Sozialisation stehen. Sie leben lokal, reisen regional und handeln national. Sie konsumieren nur das Billigste, bevorzugen aber ein Hobby, das sie mit immenser Geldausstattung verfolgen. Ihre politische Einstellung ist ebenfalls konservativ-progressiv, aber mit veränderten Vorzeichen: Sie zählen auf den Sozialstaat, sind aber nicht zu irgendeiner Reform bereit, die sie selbst betrifft. Bei Wahlen sind sie bis zum letzten Moment wechselfreudig, kurzfristig denkend und lassen sich führen.
Im Gegensatz zu Erstgenannten, die potentiell oder tatsächlich führen.
So unterstützen erstere Aktivitäten wie die Global Marshall Plan Initiative oder Deine Stimme gegen Armut, letztere RTL2 und ebay.
Beide Gruppen kommen gemeinhin gut miteinander aus (solange eine externe Mobilisierung der zweiten Gruppierung ausbleibt), Konflikte ereignen sich nur in peripheren Schauplätzen wie Fantum für Musik oder Sport.
Sie begegnen sich in der Familie oder im Supermarkt, gelegentlich noch auf der Fußballtribüne (wobei letztere dort immer weniger, erstere immer mehr werden) oder bei RyanAir.
Regiert werden beide noch von 68ern, deren Gegnern und Vorgängern, sie sitzen jedoch schon in der 2. Reihe der Macht, im Bundestag oder im Vorstand - bereit für den Sprung nach vorn.

Es wird gut werden,
Chris

Mittwoch, September 14, 2005

Anstössig

Wer nie anstössig war, hat auch nie Anstösse gegeben.

So oft schon war ich anstössig, ich bezeichnete das immer als provokant, provozierend.
In jeder Organisation, gar in der Familie, im Freundeskreis provozierte ich so oft, mit Worten, Taten, Dingen.
Habe ich aber auch Anstösse gegeben? Sicher, im Job ne Menge. In der Familie auch. Zum Teil auch im Freundeskreis. Aber auch die richtigen?
Gilt dieser Umkehrschluß?

Es wird etwas Gutes,
Chris

Dienstag, September 13, 2005

Basics

Drei GrundSätze:

Der Vergleich zerstört das Glück.

Das Glück folgt der Entschiedenheit.

Allein die Freiheit macht verantwortlich.

Sonntag, September 11, 2005

Letzter Satz zum letzten Job

Durch meinen Weggang und meine Kündigung bin ich vom Weg abgekommen, vom Karriere-Weg, aber: Ich bin nicht auf der Strecke geblieben!

Es wird etwas Gutes,
Chris

Donnerstag, September 08, 2005

Vermittler

Neulich morgen in der örtlichen Agentur für Arbeit:
Ich beantrage mit meinem Businessplan Überbrückungsgeld.
Mein Ansprechpartner schlief noch.
Die Kollegin wünschte mir viel Glück in der Selbständigkeit mit der Arbeit, die nun käme.
Ich sagte, ich hätte die letzten Monate auch gearbeitet.
Sie sagte, das höre sie gar nicht gerne.

Mittwoch, August 31, 2005

Foto des Tages


Alex @ Casa de Deich V, August 2005, Picture by Conny

31. Juli 2013

Chris’ Szenario

ES IST DER 31.7.2013, ich werde wach durch fluffige Beats und den ersten Sonnenstrahl aus dem Fenster. Ich gehe kurz auf den Balkon, strecke mich, ziehe meine Sportsachen an, wecke meinen 8-jährigen Sohn und wir gehen beide aus unserem Haus. Er auf Inlinern, ich jogge, dabei höre ich ihn spanische Vokabeln ab. Wir holen Brötchen und duschen zuhause, ich stecke mich in meinen Anzug, wie immer in ein weißes Hemd, ich mache Frühstück und wecke dabei meine Frau. Mein Sohn hilft meiner Tochter, 6, beim Packen und wir frühstücken zu fünft, mit dem argentinischen Au-pair-Mädchen. Wir besprechen den Tag, unsere Pläne und das kommende Wochenende in Tasmanien mit Freunden aus Ecuador und Deutschland. Verabschiedung, Verabredung für den Abend und ich nehme den 1l-Smart für die Fahrt ins Büro in einem anderen, zentraleren Vorort von Sydney/Kapstadt/San Diego.

Das von mir eingerichtete Büro stelle ich schnell um, was leicht ist, da die Möbel Rollen haben. Die langen Holzdielen durch die Räume machen das ganze sehr groß, obwohl die Zimmer nicht riesig sind. Luft strömt leise durch die geöffneten Fenster, durch den Medienraum, die Cafeteria/den Meetingraum und die beiden Arbeitszimmer von mir und meiner Assistentin sowie den beiden Projektbeauftragten. Die sind heute unterwegs, einer in Neuseeland, einer auf den Philippinen, eine Telefonkonferenz gibt Raum für unsere News und Abstimmungen. Danach checke ich telefonisch noch meine heutigen drei Termine, buche im Internet einen weiteren Teil meiner Reise nach Zentralasien übernächste Woche.

Dorthin möchte ich als EU-Beauftragter für den Export und die Entwicklung elektronischer Musikkultur für die Durchführung mehrerer Konferenzen zum Thema des Senior-Coachings – ältere erfahrene Menschen begleiten junge Menschen im Austausch ihrer Musik, die inzwischen als Kreativitätsquelle und positiver Grundton eines neuen Weltbürgertums genutzt wird. Nachdem ich dazu einige Gedanken in das Laptop gehackt habe, trinke ich einen Kaffee mit meiner Assistentin, die mir von ihrem großen privaten Projekt – dem Verfassen eines Buches – erzählt.

Auf meinem Weg zu unserem nächsten Event an der Oper zum Thema „Streetwear und Medizin“ gebe ich meiner Assistentin telefonisch noch einen Tipp für ihr Buchcover, den ich vergaß ihr zu sagen. Der Aufbau läuft gut, die Techniker sind fleissig, es klappt soweit alles, bis ich per Videomessage auf meinem Handy die Absage eines DJ-Kollektivs erhalte. Das, denke ich, ist die Chance für die beiden jungen Vietnamesen, ihre Werke hier vorzustellen. Sie stimmen telefonisch spontan zu. Zum Lunch treffe ich mich dann mit dem Kulturbeauftragten Malaysias, wir planen ein Event mit dem Berliner Synphonieorchester und den DJs Carl Cox, Richie Hawtin und Sven Väth in Kuala Lumpur in vier Monaten. Das Sushi ist genial. Wir kombinieren das Ereignis mit einem Radrennen und einigen Stars, die unentgeltlich für ein Krankenhausprojekt mitradeln und ihre Fahrräder danach versteigern dürfen. Nach diesem Meeting, bei dem mein Gast Bedenken wegen eines deutschen Kulturimperialismus zugibt, die ich unter Hinweis auf das Ausgangsmaterial für die Kompositionen und die Beteiligung Einheimischer zerstreuen kann, setze ich mich mit dem Notebook ans Wasser und plane letzte Einzelheiten für das kommende private Wochenende.

Bei einem kurzen Treffen mit einem Journalisten gebe ich zu, daß es hier vor Ort bei unserem letzten Event weniger um Inhalte als um Genuß für die anwesenden Kinder und Erwachsenen ging. Per Videokonferenz führe ich die Abschlußbesprechung einer weiteren zurückliegenden Veranstaltung in Tikrit mit dem irakischen Kulturminister durch. Meine Kollegen freuen sich mit mir über das Lob, wir geben uns danach noch mal offen Feed-back. Der Herr Minister meinte noch, daß unser Austausch sehr fruchtbar für ihn und die Gäste gewesen sei.

Danach steht – wieder im Büro – das Wochenmeeting mit dem EU-Außenminister – Joschka Fischer im letzten Jahr seiner Amtszeit – an. Er fragt nach Ergebnissen und Planungen, die ich ihm nenne. Er gibt noch einen Tipp für den neuen gesamt-koreanischen Kulturattachée in Brüssel, den ich ebenfalls in zwei Wochen in Seoul treffen werde. Wir freuen uns insbesondere über die Aufnahme unserer Aktivitäten ins ASEAN-Jahrbuch, in dem die Bedeutung kultureller Kooperationen im Umfeld elektronischer Musik hervorgehoben wird. Nachdem ich das Gesprächsprotokoll an meine Kollegen mailte, diskutiere ich noch mit meiner Assistentin über ihren respektablen Vorschlag der Kombination von Verteilungsgerechtigkeit und Musikkultur, den ich sie bitte auszuarbeiten. Dabei sichere ich ihr Verschwiegenheit und Vertrauen zu, wie ich es von Joschka für meine Idee eines UNO-DJ-Gipfels erhielt und erhalte, bis die nötigen Vorgespräche gelaufen sind.

Nun aber schnell meinen Sohn abholen, wir wollen noch gemeinsam seinen Gemüsegarten pflegen. Danach grillen wir zu fünft Lachssteaks, Gemüse und Kartoffeln, sprechen viel in der Familie (meine Tochter fragt u.a. nach der Entstehung, Anfand und Ende der Love Parade, die ich ihr erkläre) und die Kinder gehen ins Bett. Meine Frau und ich genießen noch ein Glas Wein mit neuen Beats aus Mexiko im Garten, nachdem wir beide uns in unsere Freizeitkleidung packten. Diese zwei Stunden gemeinsamen Redens und Telefonierens sind uns sehr wichtig, bevor wir uns fertigmachen und zusammen ins Bett gehen. Wir kuscheln, lesen und dann schlafe ich ein.


Meine größte Hürde der letzten zehn Jahre war die Ernennung zum EU-Beauftragten. Ich erhielt sie dadurch, daß ich beim Treffen in Tel Aviv vor vier Jahren überzeugend den Regierungsvertretern zeigte, wie positiv und produktiv in sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Perspektive ein gemeinsamer Ansatz der Entwicklung und des Exports elektronischer Musikkultur für eine Weltbürger- oder zumindest europäischen Identität sein wird.

Dienstag, August 30, 2005

Satz des Tages

Das war mitnichten eine bloß zeitweilige Bekanntschaft!

Aus "Mein New York" von Paul Auster, Seite 44.

Montag, August 22, 2005

Sascha Liebermann

Zitat des Frankfurter Sozialwissenschaftlers Sascha Liebermann in "Lohn der Angst" von Wolf Lotter in Brand Eins, 7/07, S. 56:
"Die Arbeitslosigkeit ist das Resultat eines riesigen Erfolges - des gelungenen Projektes, mit immer weniger Arbeit immer mehr zu produzieren. Und es ist doch ganz klar, dass wir nur einen Mechanismus brauchen, damit möglichst viele davon profitieren. Sehen Sie mal, was wir mit jungen Menschen machen: Der Druck, der auf Jugendlichen lastet, ist der Feind jedes Wagnisses. Die werden von allen Seiten angelabert, dass sie sich einen der wenigen noch verfügbaren Vollerwerbs-Arbeitsplätze erkämpfen sollen. Deshalb riskieren sie nichts. Sie haben Angst, unter die Räder zu kommen."
Es kommt nicht darauf an, wieder Vollbeschäftigung als Lösung aller Probleme zu verfolgen und irgendwie dadurch das System weiterlaufen zu lassen. "Die Frage lautet: Wie kriegen wir ein System hin, bei dem die ungeheuren Möglichkeiten der Automation ihren Nutzen entfalten? Statt Milliarden an Steuergeldern und praktisch alle Energie auf die sinnlose Debatte um den Erhalt der Vollbeschäftigungsgesellschaft zu lenken, wäre es dringlicher, die Grundlagen einer sozialen Grundsicherung für alle auszuarbeiten."

Es ist alles egal. Es gilt nur noch, womit man durchkommt.

Gestern abend führte ich ein langes Gespräch mit meiner Lebensgefährtin auch über zwei uns ehemals nahestenden und einen immer noch begleitenden Menschen, die nach der Prämisse leben, auf unterschiedliche Weise: Es ist alles egal. Es gilt nur, womit man durchkommt. (Zitat Peter Lau, Brand Eins 7/07, Seite 87)
Von den beiden erstgenannten Menschen haben wir uns distanziert, ehe wir wirklich verstanden, warum. Bei der dritten Person fällt uns dies seit einiger Zeit auf, sie lebt jedoch noch nicht durch und durch oder nicht in Ganzem nach diesem Motto.
Alle drei agieren mitunter nach einer in unserer Umgebung grassierenden Regel und erlauben sich alles, was die Umwelt erlaubt, ohne Rücksicht auf dieselbe, ohne Blick auf Mitmenschen oder Moral. Da ist der eine, der blendet und sich mit fremden Federn schmückt, sich durchgemogelt hat bis nach oben und dabei menschlich ein Versager ist. Da ist ein anderer, der ohne Rücksicht auf irgendetwas oder irgendjemanden agiert, zerstört, hochintelligent dabei und dadurch auch gefährlich.
Und wir nehmen immer uns in den Blick, ob es Situationen gab, in denen wir ähnlich handelten.
Und trotzdem: Es wird etwas Gutes,
Chris

Mittwoch, August 17, 2005

Veränderungen

Während es bei mir ja noch auf sich warten lässt, passiert so vieles in meinem Umfeld:
M. wird nun doch nicht in NYC heiraten und auswandern. Kommt zurück. Gestärkt. Toll! (Nicht dass sie NY verläßt, sondern, wie sie damit umgehen wird.)
C. verläßt nach drei Jahren B., hat genug von Gestank, Pisse, Scheisse an jeder Häuserecke, ekligen Männern und einer aussichtslosen Jobsituation. Zieht wieder nach HH, in die Nähe ihrer Eltern. Nimmt ihre Verantwortung für sie wahr. Respekt!
C. arbeitet und arbeitet an dieser einen Sache, voller Kraft und Klarheit. Vergisst sich dabei manchmal. Und schaut voraus. Großartig!
Meine Tante G. hat nach dem Verlust ihres Hundes einen Einbruch hin zu kompletter Demenz hingelegt, verbarrikadiert sich in ihrer Wohnung. Magert. Hat mit dem Leben abgeschlossen. Dem sie nie etwas Positives abgewinnen konnte. War bzw. ist falsch hier auf der Welt.
C. zieht mit Mann und Tochter von M. nach F., blind vor Liebe, tut allen Menschen in ihrem Umfeld weh, obschon sie sie liebt. Sieht nichts mehr.
T. und S. sind mit Zwerg in USA unterwegs, mitten im Leben, wohlhabend, sorgenfrei, problemlos. Weil sie genau so ihr Leben leben wollen. Und zwar genau deswegen.
Usw.usf.
Wie spannend das Leben ist!
Es ist etwas Gutes!
Chris

Angst vor Angie

Ebenfalls gestern abend (welch Sofakartoffelabend!) im ZDF eine Reportage über den Menschen Angela Merkel. Kommentarszitat: "Sie sieht die Welt als Ansammlung von Molekülen. Und meint, sie dementsprechend bewegen zu können."
Durchaus scheint sie menschlich zu sein, zwar nicht weiblich, aber immerhin menschlich, ich kann in Ansätzen ihren Ehrgeiz, ihren Trieb verfolgen, nachvollziehen. Sie hat Agieren und Sprechen gelernt in all den Jahren, seit Lothar de Maiziere sie zu seiner Regierungssprecherin machte. Und zwar gar nicht so schlecht. Ist bei Birne in die Lehre gegangen. Wurde vom Blümchen väterlich begleitet. Lernte böses hinterhältiges Kleinmachen bei Schäuble und anderen. Und hat ne Menge Menschen zurückgelassen, die sich nicht öffentlich zu ihr äußern wollen.
Was aber wirklich Angst macht: Sie ist so hart und verbittert mit sich, ist gleichsam meistens gar nicht sichtbar, nicht fühlbar. Auf die Frage, ob sie ein Problem damit habe, keine Kinder zu haben, antwortet sie so ausweichend, dass man schwankt zwischen dem Eindruck, sie hat so so schwer zu schlucken, daß es nicht geklappt hat, dass sie mit sich hadert, und der Idee, sie traut sich nicht, öffentlich zu sagen, sie wolle keine Kinder.
Sie versemmelt den Elfmeter, als sie zu ihrem Elternhaus kommt und ein Nachbar sie spontan zum Kaffee einlädt und sagt: Keine Zeit! Wie hätte Gerd oder wie nett hätte Ute Vogt oder oder oder reagiert. Wie hätten sie diesen zwischenmenschlichen Steilpass verwertet. Nicht aber Angie: Keine Zeit!
Sie macht aus Machtgründen einen Menschen zum Bundespräsi, der weder dazu geeignet ist noch - was noch wichtiger ist - sich selbst darin sieht, das wirklich will! Nur aus Machtgründen. Igitt! Ohne Respekt vor dem Amt, ohne den Gedanken, was wirklich gut sein könnte für unser Land. Aber sagt: Weil es gut ist für uns. So ein Quatsch!
Und nun ist sie bald Bundeskanzlerin: als Ossi-Frau, als Naturwissenschaftlerin, als verbrämte, spießige Frau. Und macht mehr noch als den Männern den Frauen des Landes, die mit einem funktionierenden Hirn ausgestattet sind, Angst. Antifrauenpolitik.
Noch schlimmer: Keine Vision, wie es weitergehen kann. Nur Verwaltung der Besitzstände. Nur nichts falsch machen, nur die Erwartungen erfüllen. Bloß nichts sonst! Fürchterlich!
Ich bin fassungslos, wie idiotisch unser Volk ist. Absolut fassungslos.
Und hoffe. Noch immer. Noch einen Monat, bis zum Wahlabend.
Wird es etwas Gutes werden?
Chris

Maja, die Liebe aus Bremen

Gestern von ihr erhalten:
Lieber Chris,
ich bin mal wieder sehr viel weiser und berührt von Deiner mail! Danke, daß Du uns an Deinen Gedanken und Erfahrungen teilhaben läßt! Und Danke an alle Wegesfreunde, die so viel Herz und Kopf und gesendet haben. Das macht auch mir Mut! Gut, daß Ihr alle da seid!
Liebe Grüße,
Maja

Asimo, Aibo, Qrio und Co.

Gestern abend sah ich einen Bericht auf 3Sat oder Phoenix über Japans Verrücktheit auf Roboter, und zwar im Besonderen auf humanoide Roboter, die der menschlichen Geh- und Bewegungsweise nachempfunden sind. So wie die Deutschen oft fußball-, vorgarten- oder geldverrückt sind, so ist es unter Japanern, insbesondere jungen Männern, weitverbreitet, Roboter zu bauen und diese in Wettkämpfen gegen- oder füreinander antreten zu lassen.
Und es gibt kein zweites Land der Erde, dessen führende Unternehmen sich gegenseitig in der Konstruktion von Robotern überbieten wollen.
So kann Asimo inzwischen rennen, springen, seit langem schon Treppen hinabsteigen (was ja viel schwieriger für Roboter ist, als Treppen hinaufzusteigen, da sie vorübergehend keinen Standfuß haben). Aibo wurde inzwischen schon hunderttausendfach verkauft und erfreut insbesondere Kinderherzen. Qrio kann tanzen, improvisieren gar, hat Taktgefühl und kann auch Gruppentanz. Querflöte oder Trompete spielen können schon viele, Klavier spielen eigentlich alle.
Und nun werden Roboter, bspw. Wanda, ein Plüschtier mit Technikinnerem, eingesetzt, um älteren Menschen Gesellschaft zu leisten, gar auf sie zu achten und nötige Hilfsangebote abzusetzen. Sie werden bei den Menschen installiert, mit Standleitung ins Sozialamt, sprechen mit den Menschen, prüfen, ob sie ihre Medikamente nehmen und berichten, falls etwas nicht stimmt.
Welch Entwicklung! Wie gern hätte ich einen Aibo (gerade bei ebay für knapp unter 2k Euro zu haben) oder noch viel lieber einen Asimo (gibts in ca. fünf Jahren zum Preis eines Kleinwagens)! Wie geil, diesen Dingern Sachen beizubringen, mit ihnen spazieren zu gehen, sich von ihnen bedienen zu lassen. Kurz davor war ich, mir den Reinigungsroboter, gerade von Tchibo angeboten, zu kaufen, für unter hundert Euro.
Ich bin technikverrückt!
Und sehe das Positive: Gerade bei demenzkranken Menschen ist es doch großartig, ein menschliches Wesen zu haben, das sie immer wieder neu begrüßt, mit ihnen redet, ihnen zuhört, auf sie achtet. Klar, richtige Menschen sind kein Vergleich, aber um Gesellschaft zu leisten (und Roboter haben noch auf unabsehbare Zeit bei all jenen Menschen, die keine Angst vor der Zukunft haben, einen riesigen Rabatt, bestimmt auch noch bei mir, wenn ich mal betroffen sein sollte in fünfzig Jahren) und zu helfen ist ein Asimo großartig!
Es gibt get-in-touch-parties in Japan, während derer ältere Menschen Wandas oder andere Exemplare kennenlernen können, und: Sie sind begeistert! Nur noch ein bisschen Entwicklung bei der Spracherkennung und Tonlage, dann können sich richtige Beziehungen entwickeln. So wie schon auf bspw. aibo-freunde.de lesbar: Menschen, die ihren Aibo in Reparatur, pardon: in die Klinik, geben, bleiben bei ihnen, bis sie wieder upgedatet sind. Wollen nicht mehr allein in Urlaub fahren. Gehen mit ihnen spazieren. Reden mit ihnen. Und fühlen sich verstanden, anerkannt und geschätzt.
Meine Lust auf Roboter ist wieder da! Und Träume, welche positiven Dinge mit ihnen getan werden könnten! Und das Beste: Das ist bereits Realität, nur in D noch nicht zu sehen.
Es wird etwas Gutes,
vielen Dank für Euer Interesse,
Chris

Montag, August 15, 2005

Dem Bauch folgen - an meine Freunde

Liebe Freunde,

habt großen Dank für die vielen Antworten, die Ihr mir nach meiner Mail gesendet habt. Es ist wunderbar, zu wissen, daß Ihr alle mir Feed-Back gebt – und dieses einfach großartig ist!

Es waren so tolle Dinge darunter, so passende Ideen und Ansichten, so mutmachende Aussagen, so realistische und pragmatische Sichtweisen.

Und alles handhabbar, nutzbar. Habt vielen Dank dafür!

Ich habe alle Antworten zusammengestellt und sie schon oft gelesen. (Wer Interesse an diesem komprimierten Super-Aufbaukurs hat, möge sich bei mir melden;-)

Zunächst ging ich ja recht pragmatisch und ruhig mit der Absage um, schrieb Euch und anderen. In den Tagen danach fiel ich trotzdem in das sich auftuende Vakuum. Mit Euren Mails ging es Schritt für Schritt heraus, bevor ich nochmal richtig hineinfiel. Noch immer bin ich nicht wieder richtig aktiv, mache zwar eine Menge, hab jedoch noch keine neuen Gesprächstermine vereinbart oder gar Gespräche geführt. Gleichwohl: Ich bin wieder optimistisch. Zwar befinde ich mich auch wieder am Beginn, am Anfang, so langsam realisiere ich aber wieder, daß da draussen tatsächlich die richtigen Menschen mit den richtigen Aufgaben sind, die ich finden kann.

Ein konstruktiver Umgang mit diesem Rückschlag, wie Ihr ihn mir gelehrt habt, hilft dabei so so sehr.

Was habe ich alles gelernt?

· Es gibt tatsächlich Menschen, denen Enthusiasmus unangenehm ist. Für deren Identifikationsschwierigkeiten kann ich nichts.

· Ich bin super-glücklich, dem, was ich suche, schon so nahe gekommen zu sein.

· Solch eine Absage ist richtig scheisse! Aber: Diese Absage hat auch etwas Gutes – das ich aber noch nicht exakt identifiziert habe. Sicher ist, daß dies nicht der beste Job für mich wäre, aber eine Menge davon drinsteckte.

· Die Absage bedeutet weder, daß LWP die einzig wahre Möglichkeit ist, zu einer spannenden Herausforderung zu gelangen, noch, daß es ohne LWP unmöglich ist.

· Es geht in Vorstellungsgesprächen eher darum, den Arbeitgeber mit meinem Angebot zu begeistern, als darum, ihn von meiner Begeisterung zu überzeugen.

· Widerstände, Schwierigkeiten und Geduldsproben helfen mir weiter und stärken mich tatsächlich, sobald ich ihre Gründe kenne.

· Beim Agieren auf dem offenen Arbeitsmarkt kann LWP nur in Maßen helfen, es braucht dort vor allem eben auch: Glück.

· Im verborgenen Arbeitsmarkt ist LWP sicher eine sehr sehr nützliche, wenn nicht die beste Strategie. Ich mache meine Begeisterung am besten glaubhaft, wenn ich durch Eigeninitiative I-Gespräche führe, mit dem einzigen Ziel, Informationen zu sammeln.

· Geduld kann ich hoffentlich noch lernen ;-)

· Im Szenario kann ich immer wieder mit Freude, Begeisterung und Lust über meinen Horizont lesen!

Herzliiche Grüße,
es wird etwas Gutes werden,
Chris

Freitag, August 12, 2005

Impression Aufsicht auf die Erde


Die Wüste Namib in Namibia von oben. Links die Flys, unter anderen das Dead Fly (weiß) und das Sousousfly (blau). In der Mitte die Dune 45. Welch eine Straße hier durch die Dünen!

Deichhouse V frei_schwimmen

Schon eine Woche ist vergangen seit meinem letzten Posting - wie spannend ist das Leben?
Der Sommer scheint vorbei, der Wahlkampf hat begonnen, der Herbst droht schwarz zu werden. Die letzten Sonnenstrahlen vergangenes Wochenende genossen wir mit einigen Freunden im Casa de Dique zu unserem fünften Fest. Bereits am Freitag schwebten wir alle ein, im Dauerregen, bei Kälte. Bauten die Deko auf, schraubten die Birnen raus und ersetzten sie durch rote und grüne, steckten die Strahler und Blinkschläuche ein, errichteten die Coctailbar, kauften ein, schraubten die Anlage zusammen und begannen zu entspannen...
Vierzehn Leute in besonderem Zustand grillten am Abend, tranken leckerste Drinks und lauschten den Sounds, die dieses Jahr das erste Mal komplett vom Compi kamen. Und Samstag kam die Sonne raus, so sehr, daß wir auf dem Deich Drachen fliegen lassen konnten, feist in der Sonne brieten, wieder leckersten Fisch grillten und mit neuen, ausnahmsweise nicht elektronischen Sounds chillten.
Abends dann erfreuten uns das Schneckenrennen von Janek (Rodrigos Sternstunde!) und offenes Feuer im Kamin. Wie seltsam, daß die Gäste dieses Jahr bemerkten, wie gut es war, daß sich die Gastgeber mal zwischendurch zu Schäferstündchen zurückzogen. Und wie ärgerlich, daß ich einmal wieder richtig unentspannt war ob der Rücksichts- und Gedankenlosigkeit zweier Gäste. Naja, Carsten holte mich wieder runter wie überhaupt er das ganze Wochenende über ganz viel tat: organisierte die Deko, machte sich Gedanken zu den Einkäufen, brachte die Coctailbar mit, Sounds auf seiner Festplatte, sorgte für das Wohlbefinden, glich aus, vermittelte, grinste, mixte, strahlte. Ach ja: und badete als Erster im neuen Pool, gefolgt von zehn kindgewordenen Erwachsenen, allein das einzige wirkliche Kind sprang nicht hinein.
Auch der Sonntag verlief ruhig und entspannt und die meisten reisten wieder ab, nur wir blieben mit den beiden Heidelbergern bis Montag abend. Montag dann gar Frühstück im Garten, Sonnenstunden, Ruhe.
Während es gerade draußen heftig donnert und gewaltig regnet, wärmen die Gedanken an das letzte Wochenende von innen. Und machen Lust aufs kommende Jahr, richtig richtig viel Lust. Dann mit früherer Ankündigung und Einladung und hoffentlich auch dem treulosen Schaf aus Mainz, der seinen Hintern nicht hoch kriegte, und den Lieben aus Köln und Umgebung, aus New York, Berlin, Mannheim, Hamburg und Madrid.
Noch ist meine Unterschrift auf wirkaempfen.de zu sehen, einer Wahlkampfplattform von unten. Richtig gut diese Sache.
Wie schrecklich: Da droht eine Frau BK zu werden, ohne Programm, ohne Vision, ohne Herzlichkeit, ohne Sympathie. Mit Leuten an ihrer Seite, die zwischen Arroganz, Rechtsextremismus und faschistoiden Tendenzen changieren. Und diese Menschen sollen regieren? Wie dumm ist das Volk, solche Politiker zu wählen? Schon Anfang der Neunziger sagte ich mir, das Land verlassen zu müssen, falls die Birne wiedergewählt wird. Und sie tat es noch zwei Mal. Und nun seine Ziehtochter - wie fürchterlich.
"Mädchen gegen Angie" ist eine Strategie, die so dringend gebraucht wird. Welche Frau kann allen Ernstes für Angie als BK sein? Eine Frau, die so unfraulich ist, wie frau nur sein kann. Und dem Machismus noch Brücken und Türme baut.
Auf der anderen Seite: Gerd ist müde, will und kann eigentlich nicht mehr. Neues Blut braucht die SPD. Und lässt es nicht dran, zunächst würde wohl Franz den Gerd ablösen, bis Sigmar oder Ute mal dürften, dauert es leider noch zehn Jahre. Aber jetzt wäre Zeit! Auch für Fehler! Aber dafür auch für frische Ideen, Idealismus und Pragmatismus.
Und sonst noch? Sympatieträger Gysi, Populist Lafontaine, Hetzer Westerwelle. Und natürlich der beste Politiker, den Deutschland seit Willy hatte: Joschka. Welch Katastrophe wäre es, wenn er nicht mehr Außenminister wäre? Wenn plötzlich all das, was er aufgebaut hat, zerstört würde durch Arroganz und Bushhinterhermarschiererei?
Noch besteht Hoffnung. Und vielleicht, vielleicht, ...
Meine Gedanken sind so sachlich heute, so sachbezogen, da bleibt gar keine Tür offen für Visionen, Wünsche, Träume. Wo sind sie alle geblieben?
Gerade jetzt, während ich mich mit meiner Begeisterung beschäftige, finde ich sie nicht mehr, erinnere mich nur an sie. Kann keine klare Gedanken dazu fassen.
Wie ist es, wenn ich mit Begeisterung einen Job suche? Was tue ich dann? Womit beschäftige ich mich? Was zeichnet mich dann aus? Wie sieht das aus? Was mache ich?
Tja, gerade nicht viel mehr als Ebay-Auktionen und irgendeinen schönen Rumpel verscheuern. Freunde treffen. Reden. Zurückschauen. Nicht träumen. Nicht machen. Nicht aufbauen.
Kommt das wieder? Sicher.
Bleibe gespannt,
es wird nämlich etwas richtig Gutes werden,
Chris

Donnerstag, August 04, 2005

c032, Ostgut und Prinzipalsaal

Ein neuer Tag voller Möglichkeiten!
Gestern erhielt ich doch noch ein paar Sonnenstrahlen während eines Treffens mit C. und K. in der Innenstadt - wunderbar! Ein wenig Sorgen ob des Umgangs von C. mit sich und meine Frage, ob sie denn sanft mit sich sei. Sie spricht von exzessivem Leben und hartem Umgang vor allem mit anderen. Wir reden aneinander vorbei und doch zusammen.
Ich las die letzte Ausgabe von c032, das mir das Magazin zu sein scheint, das am weitesten vorne liegt, was Themenauswahl, Darstellung, Design und vor allem auch Vertrieb anbelangt. Ein deutsches Heft, das bi-annual erscheint und weit mehr in Tokio, New York und Shanghai gelesen wird als in Bremen oder München (na, in dieser meiner versnobbten Heimatstadt wohl gar nicht). Texte komplett in Englisch, deutlich merkbar nach dem Schreiben ins Englische übersetzt. Thema: We are Synchro-Time. Wir leben in der Gleichzeitigkeit der Gegenwart, der Zukunft und der Vergangenheit in Form von Retro-Stilen und ständigen Remakes. Nette Artikel über Architektur und Kunst, über Schnittstellen von Kunst und Wissenschaft. Ein Bericht über das neue Ostgut in Berlin, den wohl neben dem WMF coolsten Laden zumindest Europas. Da kommt selbst das Cocoon in FFM nicht mit, trotz konsequenter Ideen, millionenschwerer Investition und bester Soundanlage des Planeten. Ein kurzes Interview mit Ritchie Hawtin, der tatsächlich von Detroit nach Berlin zog mit seinem Troß, weil er dort näher am Puls der Zeit sei, näher an der Jugend, an frischen Ideen und Menschen mit dem Wunsch, Neues zu kreieren.
Gestern abend Treffen mit C. und C. an verschiedenen Lokalitäten, erst im Pipeline, wo eine CD von mir lief, schließlich seit einem halben Jahr mal wieder im Schwarzen Schaaf, Münsters innster Laden. Fürchterlich! Übervoll, bestimmt 2000 Menschen, die ganze Gegend voll mit Rädern und Taxen und die jungen Menschen mit Bier. Katastrophaler Sound, schlechte Anlage, häßliche Räume. Und trotzdem oder gerade deswegen sehr gut besucht. Wie immer in Münster: das Angebot eigentlich indiskutabel aber aufgrund fehlender Alternativen eine Goldgrube. Je schlechter desto voller. Was ist nur mit dem Anspruch der Menschen, gerade der Jugendlichen hier? Was reizt sie dort oder noch? Kein Vergleich mit Berlin oder Hamburg.
Dazwischen Besuch beim Handyprovider mit dem Ziel der Vertragsdiskussion, was ich aber tatsächlich mitnahm, waren erschütternde Einsichten in die Jugend. Völlig sinnentleert. Auf das vielleicht zehnsekündige Angebot zu einer Handyversicherung, die zwar knapp zehn Euro im Monat kostet, aber nur alle drei Monate abgebucht wird, und die auf zwei Jahre abgeschlossen wird, reagiert die vielleicht 17jährige Kundin direkt ohne Nachzudenken ja klar, ist wichtig sowas, falls im Ausland das Handy geklaut wird. Zehn Sekunden fehlende Argumente und 240 Euro Umsatz, unfassbar. Sie hat überhaupt nicht kapiert, daß sie da mal eben so knapp fünfhundert Mark ausgab. Als ich das meiner K. erzähle, klärt sie mich dahingehend auf, daß dieses Mädchen wohl verstand, daß sie nur alle drei Monate 10 Euro, nicht 30 Euro bezahlen müsse, dadurch sogar noch ne Menge sparen würde. Auf den Gedanken bin ich überhaupt nicht gekommen, daß man das so verstehen bzw. nicht verstehen kann. Da fehlt die Lust überhaupt den Kopf einzusetzen.
Welch Privileg, Bildung nutzen zu dürfen und zu können.
Es wird etwas Gutes,
Danke fürs Interesse,
Chris

Mittwoch, August 03, 2005

Blick nach vorn

Der zweite Tag Blogging.
Las in der Zeitung heute früh Artikel über ADHS, meine Schwester und ihr Kind meinen damit kämpfen zu haben. Wissenschaftler raten zu Medikamenten. Wissenschaftler im Interesse von Pharmaproduzenten. Nachgewiesen ist längst, daß andere Methoden nachhaltiger und gesunder wirken wie bspw. Mototherapie. Aber das bringt nicht viel Geld und wird deshalb verschwiegen. Komisch, dass selbst ein offenes Blatt wie die SZ nicht objektiv berichtet, sondern beeinflusste Kommentare bringt.
Und ich las über PCs und Handys für Entwicklungsländer. Nicht einmal der Autor kann verhindern, daß er von "sehen die Hersteller Profitchancen" schreibt. Da ist das Ziel klar und jene, auf deren Kosten es geht, stehen auch schon im Abseits. Gleichwohl wären PCs für 100 Euro gerade hier in Deutschland mal wirklich eine Möglichkeit, ärmeren Menschen eine Chance zu geben. Aber das scheint nicht gewollt.
Gestern abend traf ich die Schwester meiner Lebensgefährtin, ihren Mann und ihren Sohn, an der Autobahn. Sie waren in dem Deichhaus meiner Eltern zum Urlaub machen (das Haus, in dem wir kommendes Wochenende unser fünftes großes Fest feiern), der Kleine wurde krank, sie fahren wieder nach Hause. Ihre Urlaube sind nicht von Glück gesegnet, immer kommt etwas dazwischen. Vielleicht sollten sie mal ausbrechen aus ihrem geordneten, überlegten und überraschungsfreien Leben. So richtig. Merken, daß das auch geht. Und dann wieder zurückkehren und in Ruhe geniessen. Könnte helfen. Was könnte mir denn helfen, daß ich meine, solche Vorschläge machen zu müssen?
Schwanke zwischen Selbständigkeit, Job und gar nichts. Alle drei Möglichkeiten liegen vor mir, ich suche nach Begeisterung. Jene, die ich bei meiner letzten Bewerbung hatte, die mir letztlich nicht half. Aber von der ich nicht ablasse in meinem Leben.
Ich habe die Aufgabe, herauszufinden, woran man merkt, daß ich das, was ich im Moment tue, nämlich eine Herausforderung zu finden, mit Begeisterung tue. Und diese Punkte soweit wie möglich konkretisieren. Woran merkt man das? Daran, daß ich mit glühenden Augen berichte. Daß die einzelnen Schritte Teil eines Flusses sind, die mich nicht nachdenken, sondern nur handeln lassen. Daran, daß ich voller Energie auf fremde Menschen zugehe, sie von mir überzeugen möchte. Daß ich keine Scheu habe, über Lücken meines Lebenslaufs, die gar keine sind, zu reden, zu schreiben. Man merkt es daran, daß genau das, diese eine Tätigkeit, plötzlich oberste Priorität in meinem Leben erhält, alles andere dahinter zurückfällt (bis auf meine Liebe natürlich). Man merkt es daran, daß ich mich nur an Dinge mache, in denen ich konkrete Chancen für mich sehe. Daß ich von mir überzeugt bin. Und von jenem, um das ich mich kümmere. Wofür ich mich einsetze. Nur: Was heißt das konkret? Woran merkt man es, daß ich mit Begeisterung handle? An meiner Stimme? An meinem Auftreten? Ja, sicher, alles richtig. Ich suche aber nach den Inhalten. Immer, immer wieder. Was ist es wirklich, daß mich kitzelt, was mich treibt? Welches Thema, welche Vision?
So ein wenig sind diese Blogs ja eine Art Morgenseiten, die man schreibt, um den Kopf leer zu bekommen. Und frei. Und dann frei handeln kann. Funktioniert bei vielen. Und wird gerade wohl von mir ausprobiert.
Vielen Dank fürs Lesen!
Was denkt Ihr darüber?
Es wird etwas Gutes werden,
Chris

Dienstag, August 02, 2005

Dem Bauch folgen - von Freunden

Eine Absage auf eine Bewerbung für einen wirklich gewollten Job zu erhalten, war für mich sauschwer. Und um das innerlich und äußerlich zu verarbeiten, bat ich Freunde um ihr ehrliches Feed-back.

Zunächst sandte ich diese Mail:

Ihr lieben LWPler, lieber J., lieber M.,
ich brauche und wünsche mir Euer Feed-back.
Vor zwei Jahren besuchte ich unseren Kurs, begab mich auf den Weg, bin
nun viele, viele Etappen gegangen.
Insbesondere im letzten Jahr kümmerte ich mich nur um das, was ich kann, was ich gerne mache, was ich machen möchte, wo und wie. Führte eine Menge I-Gespräche.
Dann fand ich die Stelle, die all dem entsprach, was ich für mich als
Ziel formulierte, woraufhin ich arbeitete.
Sie war ausgeschrieben, ich hörte nicht über persönliche Kontakte von ihr.
Ich brachte meine mit viel Herz und Lust verfassten Unterlagen
persönlich vorbei, besuchte das so sympathische Büro ein zweites Mal, um
mich mit dem Geschäftsführer persönlich zu unterhalten, nachdem ich
vorher mit seinen beiden Mitarbeitern sprach. Und wurde zum
Vorstellungsgespräch eingeladen. Und ich war richtig, richtig gut. Und
brachte deutlich zum Ausdruck, daß ich das Gewünschte sehr gut kann, und nicht nur das, sondern auch, daß ich es sehr sehr gern machen würde.
Zitat: "Ich weiß nicht, ob ich der fachlich beste Kandidat bin, aber ich
würde die Aufgabe sehr sehr gern übernehmen."
Ich habe es dem wählenden Gremium so leicht wie möglich gemacht, mich zu nehmen, und so schwer wie möglich, mir abzusagen.
Heute morgen erhielt ich eine Absage.
Argument: jemand ist älter, hat dadurch mehr Berufserfahrung als ich.
Und auf meine Bitte zu einem persönlichen Feed-back hin erhielt ich den
Ratschlag, meine Begeisterung nicht so sehr zum Ausdruck zu bringen wie
ich es tat. Sondern sachlicher zu sein.
Ich hätte die Aufgabe gern übernommen. Sagte dies. Erfüllte alle
fachlichen Voraussetzungen. War besser als ich je war.
Und nun hat es mir die Beine weggezogen. Es käme nicht auf "gern" an,
sondern auf "muß".
Ich empfinde das so, als seien nicht nur meine kompletten letzten zwei
Jahre ad absurdum geführt, sondern auch und vor allem das Streben nach
Zufriedenheit. Und damit auch der Sinn und Zweck von LWP.
Sicher kann ich jetzt denken, okay, das waren einfach nicht die
richtigen Menschen. Oder hätte ich vorher persönlichen Kontakt gehabt,
hätte ich die Stelle bekommen. Oder vielleicht habe ich doch noch einen
Fehler gemacht, von dem ich nichts weiß. Oder für das Szenario ist es
noch viel zu früh, acht Jahre genau. Oder oder oder.
Und klar finde ich woanders Menschen, denen und deren Ziel ich noch
besser nutze als ich das hier getan hätte.
Allein: ich sehe überhaupt kein Ziel und keinen Weg mehr. Die komplette
Begeisterung, die ich noch immer empfinde oder bis zuletzt empfand, wenn
ich mein wunderbares Szenario lese, ist weg. Und war der Weg.
Wieso?
Ich freue mich auf Eure Gedanken,
herzliche Grüße,
Chris
 
Und dann erhielt ich diese wunderbaren Antworten:
Lieber Chris!
Komme gerade aus dem Urlaub zurück und lese Deine Mail! Tut mir leid wegen der Absage.
Weniger enthusiastisch? Das ist ja ein merkwürdiges feedback!
Das fühlt sich bestimmt total blöd an! Aber denke an deinen Bereich "Musik"! Auf zum Horizont!
Ich denke an dich und sende liebe Grüße,
deine M.

Lieber Chris,
wenn ich das lese, denke ich nur: Du hast alles richtig gemacht. Ich
wollte MitarbeiterInnen, die sich für die Sache begeistern können. Und
würde ihnen Berufserfahrung fehlen - dann würden sie diese durch die
Begeisterung leicht aufholen; sich reinknien in das, was ihnen Spaß
bringt und dabei die nötigen Erfahrungen sammeln. Daher finde ich, daß
es sich doch nicht nach Traumstelle anhört. Wenn die jemand für´s "Muß"
suchen und meinen, Spaß an einem Job schließt das aus, dann ist der
Ansatz dort nicht meiner bzw deckt sich nicht mit Deinem. Ich kann sehr
gut verstehen, daß Dich das alles runterzieht und demotiviert, aber den
Tipp, Deine Begeisterung im Vorstellungsgespräch zu verstecken finde ich
daneben. Ich finde: es war nicht so ganz "Dein" Job, auch wenn viel
davon drinsteckte.
Außerdem habe ich kürzlich ein wunderbares Konzept gelesen ;-)) und
vielleicht ist doch die Selbständigkeit ein/Dein Weg, in der Du mit all
Deiner Begeisterung für die Sache, die Du tun willst, dabei sein
kannst... Ich glaube wirklich nicht, daß Dein Szenario so unerreichbar
ist. Bleib dran! Das kann werden, wenn auch vielleicht über einen
anderen Weg.
Liebe Grüße
B.


Hallo liebe LWPs,
Dir Chris und Marc und den vielen anderen auch vielen Dank für Eure
Beiträge. Deine Anfrage Chris, hat ja viele zum Nachdenken und Anregen
bewirkt, wie ich an den ganzen Reaktionen erkennen konnte. Und einige von uns kennen sicherlich diese Situation den "Traumjob" nicht zu erhalten,
obwohl alles so gut verlief. Naja, vielleicht war es ja auch nicht der
Traumjob ... oder eben nur ein Traumjob ... ???
Wie auch immer, die Anregungen dazu von Marc fand ich total gut. Auch wenn ich im Moment kein LWP mache, habe ich sie mir gleich ausgedruckt und werde sie zu meine LWP Unterlagen tun. Es hat noch einmal deutlich gemacht, wo der Vorteil der Infogespräche liegt. Gerade denke ich, vielleicht nutze ich dies doch einmal. Es gibt da einen interessanten Betrieb für den ich gerade Seminare mache. Kürzlichst dachte ich, ich würde hier auch gerne arbeiten.
Vielleicht wäre dies ja die Möglichkeit mal Mitarbeiterinnen zu interviewen
... und mich erst einmal zu informieren!!!
Also wie mit allem, wer sich mit Arbeitssuche und Neuorientierung
beschäftigt braucht Geduld! Geduld mit sich und mit der Situation!
In diesem Sinne schicke ich Euch liebe Grüße aus Bremen
M.


Hallo Chris,
das sind niederschlagende Neuigkeiten...
Ich habe noch in Erinnerung, wie du auf dem Guppentreffen von der Stelle erzähltest und sehe deine begeisterten Augen noch vor mir... und nun so was.
Du fragst nach Feedback - und da ziehe ich den Hut vor dir! Nach so einer Enttäuschung, wie ich sie zwischen deinen Zeilen erahne, bräuchte ich bestimmt erstmal einiges an Zeit, bevor ich um konstruktives Feedback bitten würde. Zumindestens habe ich mich in der Vergangenheit schon häufiger so erlebt.
Zunächst noch eine Frage:
Du schreibst:
> Insbesondere im letzten Jahr kümmerte ich mich nur um das, was ich kann, was ich gerne mache, was ich machen möchte, wo und wie. Führte eine Menge I-Gespräche. Dann fand ich die Stelle, die all dem entsprach, was ich für mich als Ziel formulierte, woraufhin ich arbeitete. Sie war ausgeschrieben, ich hörte nicht über persönliche Kontakte von ihr. <
Du führtest I-Gespräche? Im gleichen Bereich? Vor der Ausschreibung schon in dem Betrieb?
wenn ja, dann würde ich gerne mit dir telefonisch schnacken. Heute Abend, 20:00 Uhr?
Wenn nein wäre mein Feedback dieses:
Meine Erfahrung ist ganz eindeutig, dass L/WP NICHT die Zauberformel für den offenen Arbeitsmarkt ist! Vielleicht bekommt man mit einigen Modulen kleine (!) Vorteile, aber in den aller meisten Fällen befindet man sich eben in der Situation des "Bewerbers auf eine offen ausgeschriebene Stelle". Man gehört nicht zum "Bekanntenkreis", nicht zum "Insiderkreis" und man konnte nicht VOR der Stellenausschreibung glaubhaft machen, man sei der richtige.
Ist erstmal eine Stellenausschreibung raus und man legt los, dann:
a) gibt es viel größere Konkurrenz,
b) ist die Stelle eigentlich schon per Handschlag vergeben,
c) kann Engagement als "vorgespielt" erscheinen, da Leute viel oder sogar alles erzählen, damit sie die Stelle bekommen,
d) einem wichtige Infos der wirklichen Wirklichkeit fehlen (wie ist der Betrieb wirklich, wie genau sieht der Bedarf aus, was wird WIRKLICH gesucht, etc)
e) stößt man auf Argwohn, wenn man Infos zur Stelle bei Mitarbeitern haben will - und es ist auch kein Beleg für Engagement, sondern lediglich dafür, dass man Arbeit haben will. (Der fragt nur (!), weil er Arbeit sucht!)
Chris, es gab eine Zeit bei mir, da habe ich einigen Leuten in meinem
Bekanntenkreis in solchen Situationen "geholfen", erst NACH der
Stellenausschreibung mit L/WP-mäßigen Dingen sich zu "bewerben". Das
letzte mal war es die Steffi, die eine ausgeschriebene "Traumstelle" im Netz gefunden und richtig bammel vor dem "Vorstellungsgespräch" hatte. Ich habe ihr das mit dem Arbeitsmarkt erklärt, dass von daher die Chancen nicht so dolle seien.
Wir haben versucht, Infos über den Betrieb & die Stelle zu recherchieren.
Wir haben Pyramiden geübt ohne Ende!
Gehaltstechnisch nicht hoch gepokert (um die Chancen zu maximieren!)!
Ergebnis: Obwohl die Steffi mit einem "wir müssen uns etwas beeilen, da noch einige Bewerber heute eingeladen sind, also so ca. 20 Minuten" begrüßt wurde, dauerte das Gespräch schließlich 1:20h. Steffi fühlte sich "sau gut!". Keine Frage traf sie unvorbereitet - sie hatte richtig gute Geschichten zu erzählen! (Man waren die gut!!!)
Steffi hatte ein richtig gutes Gefühl! Sie erlebte sich selbst als
authentisch, ehrlich und supi vorbereitet.
Sie rief mich an und meinte "das lief super! Wenn ich jetzt die Stelle nicht kriege, weiß ich auch nicht. Aber das scheint gut auszusehen!".
Sie bekam dann eine Absage.
Und von diesen Geschichten kenne ich einige!
Mein Fazit: Ein "gutes Gefühl" ist mit L/WP im Vorstellungsgespräch wohl schon machbar - aber die Chancen auf ein positives Ergebnis verändern sich nicht wirklich.
Den Grund dafür haben meiner Meinung nach P. & H. gut skizziert.
Steht das selbst konstruierte Berufsbild so, dass man sagt "ja, das
passt!", dann sind I-Gespräche der Motor von L/WP. Ohne I-Gespräche (in dem Bereich und in den entsprechenden Betrieben) maximiert man seine Chancen nicht wirklich, sondern begibt sich in die Situation des "offenen Arbeitsmarktes". Man weiß zwar was man will, aber die Chancen das glaubhaft zu machen sind nicht besser als bei jedem anderen Bewerbungsschreibenden auch. Denn wie machst du deine Begeisterung besser glaubhaft, als durch die Eigeninitiative, I-Gespräche nur mit dem Ziel zu führen, Infos zu suchen?
Oft habe ich so etwas gehört wie "Marc, hier ist eine Stellenausschreibung von meiner Traumstelle - wie kriege ich die, was kann ich jetzt tun um diese EINMALIGE Chance mit L/WP für mich zu nutzen?"
Und ich denke dann:
Wieviel Chancen hast du schon vertan, weil du keine I-Gespräche in dem Bereich geführt hast?
Hättest du vor 6 Monaten damit losgelegt, hättest du die Stelle vielleicht informell in Erfahrung gebracht BEVOR sie ausgeschrieben war. Wieso sollen nun die Chancen besser sein als vor 6 Monaten? Nun gibt es mehr Konkurrenz, die Stelle ist vielleicht schon vergeben, Insider-Infos zu bekommen wird nun schwer (da die meisten MA aus dem Betrieb argwöhnen, die interessierst dich für die Infos nur, um dir einen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern zu erheischen) und wie willst du nun deine Begeisterung glaubhaft machen?
Auf dem Gruppentreffen sagte ich so etwas wie "Häufig sagen TN, nein, mit L/WP habe ich nix gemacht!", aber in den Geschichten höre ich dann meist, dass doch Module von L/WP modifiziert genutzt wurden und etwas brachten.
Dennoch: das "ideal-Modell" hat schon seinen Grund und der Nutzen
verringert sich, je weiter man davon abweicht (MEINE Erfahrung!).
Ich hoffe, mein Feedback kommt bei dir so an, wie ich es meine.
Ich nehem den Hut vor dem Mut und der Energie, wie du dich auf die Stelle beworben hast!
Und ich kann den Rückschlag gut verstehen!
Eine "Pause" fände ich nun ziemlich menschlich, um etwas Abstand zu
bekommen.
Wenn deine "Möhre" (=Szenario) wirklich nützlich ist, wird es dir wieder in den Kopf kommen und dir helfen, nochmal loszulegen. Da habe ich großes Vertrauen in Szenarien und die Kursergebnisse.
Auf den Infoveranstaltungen sagen wir immer "L/WP ist nicht die richtige Art, Arbeit zu suchen - aber eine sehr nützliche."
Es gibt auch andere Arten.
Und auch mit denen finden Leute stellen.
Schau, mit welcher Art du für dich weiter machen willst.
Hoffe, meine Worte kommen "richtig" bei dir an. Viele Grüße
M.


Lieber Herr Kemper,
vielen Dank für Ihre Mail.
Lassen Sie uns, wenn Sie mögen, telefonieren. (Statt eines Kommentars von meiner Seite auf diesem Wege:-)
Ich melde mich auf einen Terminvorschlag von Ihrer Seite.
Mit herzlichen Grüßen
M.S.


Hallo Chris,
ich schließe mich weitgehend Holle an. Das war halt eine "normale" Bewerbung, da gelten eben andere Maßstäbe. Die kannten dich einfach nicht gut genug, dass du so auftreten konntest. Lass dich doch von denen nicht einmachen, du warst so optimistisch bei unserem Treffen! Die Stelle war doch "nur" eine von mehreren Optionen (auch wenn sie dir so ideal erscheint, dass alles andere daneben verblasst), jetzt nimmst du dir eben die anderen vor. Die Leute dort waren einfach nicht reif für dich. Und bitte wirf deswegen nicht das ganze LWP weg!
Gruß
K.H.


Lieber Chris,
das ist wirklich sehr ärgerlich und enttäuschend, was Du bei Deinem Gespräch erlebt hast und ich kann Deine Reaktion und Deine Gefühle sehr gut verstehen.
Holle und Peter haben schon viel geschrieben. Mir ist außerdem noch eingefallen, dass Du Dir aber vielleicht die Traumstelle anders , besser ausgemalt hast als sie vielleicht in Wirklichkeit ist. Es ist zwar ein bekanntes Muster etwas nach einer Enttäuschung schlecht zu machen, aber so ist es nicht gemeint.
Vermutlich ist das nur ein schwacher Trost sich vorzustellen, dass es dort vielleicht doch anders gewesen wäre, als Du es Dir vorgestellt hast. Vielleicht wäre es auch Dein Traumjob gewesen, aber wichtig ist ja, dass Du jetzt nicht resignierst und alles in Frage stellst.
Lass Dich bloß nicht abschrecken durch so ein Erlebnis. Ich finde das leider sehr normal eine Absage zu bekommen, s. Holles Kommentar 25/75....Es ist ja auch nicht einfach so ein Ziel zu erreichen wie wir es uns gesteckt haben: nämlich beruflich etwas zu tun, was wir gerne tun. Und ich glaube, dass wir da noch oft auf Widerstände, Schwierigkeiten und auf Geduldsproben treffen werden. Leider........., aber ohne geht es wohl nicht, oder man lässt dabei die Realtität außer acht. Also weitermachen und Kopf hoch!
Ich habe übrigens auch gerade eine Enttäuschung zu verkraften: einmal werden meine AG´s im nächsten Schuljahr nicht stattfinden und mich ärgert es unglaublich, dass ich soviel dafür getan habe und mich dort sehr engagiert habe. Abgesehen davon, dass jetzt eine wichtige Geldquelle versiegt ist und ich mir Sorgen mache, wie ich mein Studium finanzieren soll , hat es mich sehr geärgert, dass mir das kurzerhand per E-Mail von der Schule mitgeteilt wurde.
Ich frage mich auch manchmal, wie ich meinen Weg weiter verfolgen soll, weil ich im Moment schon wieder suchen muss. Dieses Mal wieder nach einem Nebenjob.Ich habe gerade überhaupt keine Lust mehr mir schon wieder etwas Neues zu suchen........ Mist, aber es muss ja sein, bäh, da ist es wieder : das Muss! Aber vielleicht ist es ja auch manchmal umgekehrt: Man sieht eine Stellenanzeige oder kommt auf andere Weise an einen Job, der zunächst nicht so attraktiv erscheint, und der sich dann doch als passend entpuppt. Also lieber Chris, lass es Dir trotzdem gut gehen und lass mal von Dir hören, wie es Dir geht. Viele liebe Grüße an Dich und an Euch alle!
K.L.


Lieber Chris,
dass Dich die Absage heftig getroffen hat, kann ich mir so gut
vorstellen! Ich hoffe nur, dass Du es nicht als persönliche Niederlage interpretierst und auch nicht als "Beweis" gegen LWP! B I T T E N I C H T!
Vieles, was mir spontan zu Deinem Brief einfiel, hat Peter in seiner
Antwort schon angesprochen und gesagt - gerade die
"Kronprinzen-Geschichte" ist sooo verbreitet: Ausschreibung der Stelle erfolgt nur noch, weil gesetzlich vorgeschrieben oder aus PR-Gründen.
Und dass Du vieles genau richtig gemacht hast, glaube ich auch (Betonung auf GERNE TUN, mit Leuten reden etc.)
Bloß eines, Chris, konntest Du ja gar nicht "richtig" machen: nämlich
Dir die Stelle selber schaffen und Dich selber einstellen! Für diesen
Grundgedanken von LWP gab es in dem Prozess, auf den Du Dich eingelassen hast, ja gar keinen Raum, nämlich eigenständig jenseits der Linie "Personalbüro" zu agieren und damit das 25%ige Arbeitsmarktsegment zu meiden, auf dem sich die vielzitierten 75% aller Suchenden drängeln. Auf dieser Ebene bleibt es eben Lotto! Wenn wir uns auf diese Prozesse einlassen (werden wir ja auch immer wieder, solange wir suchen!), gelten auch die Kriterien derjenigen, die Stellen ausschreiben und einstellen.
Diese Leute aber haben keine LWP-Gedanken im Kopf und denen ist
Begeisterung möglicherweise sogar höchst suspekt (wer weiß, wofür der
sich als nächstes begeistert!, flatterhaft etc.etc.), schließlich ist
"Arbeit was Ernstes, capito?"
Mir fällt gerade noch was ein:
Auch mit P - I - E will ich ja nicht irgendwann vor einem potentiellen Chef stehen und ihn von meiner Begeisterung überzeugen, sondern umgekehrt: ich will i h n mit meinem ernsthaft erarbeiteten Angebot b e g e i s t e r n!
Möglicherweise ließe sich bei genauer Analyse des Vorstellungsgesprächs herausfinden, was Du im "Wiederholungsfall" ggf. anders machen solltest.
Ist aber vielleicht nicht so wichtig. Ich denke, solche Ereignisse
hinterlassen immer wichtige Erfahrungen, von denen mir die wichtigste
wäre: diesen Sektor des Arbeitsmarktes zu meiden, höchstens als
Übungsfeld betrachten, aber nicht zu persönlich nehmen!
Zu Deinem Szenario: Ich finde es in Ordnung, wenn Du es aus Dir heraus immer mal wieder überprüfst, aber lass es Dir bitte nicht vermiesen durch Erfahrungen mit Leuten, die noch nicht mal Deine Begeisterung zu schätzen wissen !
Soweit für heute!
Liebe Grüße
H.


Hallo Chris,
Das mit der Absage tut mir leid, vielleicht zeigt zu viel Herzblut den Entscheidern die Möglichkeit, den Bewerber zu stark enttäuschen zu können, wenn all seine Erwartungen nicht in diesem Job erfüllt werden können.
Wer weiß, wozu es gut war, vielleicht erschließt sich dies erst einem viel später, laberlaber laber.
Ich wünsche dir und Kiki ein schönes Wochenende.
Auf Bald
M.


Lieber Chris,
danke für dein Teilen. Nun frage ich mich, soll ich sagen, "schade, dass es nicht geklappt hat?"
Ich glaube, ich sage lieber, wie schön, dass du dem, was du suchst, schon so nahe gekommen bist.
Hierzu zwei Zitate aus deiner Mail:
"Weil dies wirklich meine Traumstelle war."
"Und ich sollte meinen Enthusiasmus mindern und moderater auftreten."
Ich wünsche also dir ganz bald deine Traumstelle ungefähr wie folgt:
"Projektleiter, verantwortlich für Finanzen, Termine, Ziele, Personen und Mitarbeiter,
Schwerpunkt Soziales und Fußball,
und dann auch noch ein Ort, wo mit Enthusiasmus gearbeitet wird."
Bis bald, du Lieber :)
Deine M.


Lieber Chris,
die Überschrift klang so begeistert, ich hatte mich schon gefreut.
Und dann ist der Inhalt der Mail ein ganz anderer.
O, es tut mir so leid, ich hätte es dir so gegönnt!
Ich rufe Dich heute nachmittag mal an.
Viele liebe Grüße von B.


Lieber Chris,
gerade habe ich Deine Mail gelesen, sie hat mich sehr berührt.
Hey, ich bin mir sicher, dass Du alles gegeben hast, was Dir möglich war.
Das ist das Entscheidende. Alles Andere - alle Entscheidungen, Dich nicht einzustellen - treffen persönlich, verletzen, werfen Fragen auf, machen sauer, stimmen traurig ... gerade wenn Du Dein Herz voll reingehängt hast.
Ich weiß nicht, ob es hilfreich ist und ich weiß nicht ob es stimmt, wenn ich schreibe: "Das kenne ich-das ist mir auch schon passiert"? Denn so intensiv, wie Du habe ich mich sicher nicht bei meinen Aktionen vorbereitet.
Trotzdem habe ich es mehrmals erlebt, dass Arbeitgeber Probleme damit haben, wenn sie feststellen, dass man sich mit dem Job zu 100% identifizieren kann.
(Für deren Identifikationsschwierigkeiten kannst Du aber nichts)
Manchmal stehen die Kandidaten schon vorher fest. (Bei uns, z.B. in Behörden sagt man dazu: Es existiert bereits ein Kronprinz!) Dann kannst Du noch so geeignet sein, die Entscheidung liegt vorher bereits fest.
Vielleicht kommen die Leute auch nicht mit Deiner Power zurecht. Das scheint mir der Fall zu sein, wenn Du schreibst: ...erhielt ich den Ratschlag, meine Begeisterung nicht so sehr zum Ausdruck zu bringen wie ich es tat. Sondern sachlicher zu sein...
Du sagst: ...Ich habe es dem wählenden Gremium so leicht wie möglich
gemacht, mich zu nehmen, und so schwer wie möglich, mir abzusagen...
Vielleicht war das auch ZU optimal für diese Leute... (Evtl. haben die einen Haken vermutet, wo keiner war, frei nach dem Motto: Wenn mir einer einen Luxusartikel zum Schnäppchenpreis anbietet, dann MUSS doch ein Haken dransein.)
Das fällt mir spontan dazu ein und ...vielleicht haben die Dich gar nicht verdient. OK, das war ne Sackgasse aber es gibt noch viele weitere bessere Wege.
Liebe Grüße aus Bremen
P.


Zu viel Enthusiasmus... das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!!
Ach, Chris,
so ne riesige Scheiße!
Ich denk an Dich und drücke Dich!!
C.
P.S.: K. hat bestimmt jede Menge ganz böser Schimpfwörter parat, die Dir bestimmt jetzt richtig gut täten!!


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Earthgoogling

Herzlich Willkommen!

Heute ist Dienstag, der 2. August 2005, mein erster Bloggingtag.
Ich befinde mich an meinem Schreibtisch in Münster, habe Gedanken zu den Dingen, die ich in den letzten Monaten machte, zu jenen, die gerade zu tun sind, und zu jenen, die demnächst anstehen.
Völlig sphärisch besuchte ich heute morgen einige Google-Earth-Seiten (http://earth.google.com und www.googlesightseeing.com), sah Schiffe, Wasserflugzeuge, Vulkane, Zugvögel, Sportwagen, Museen und Kirchen von oben und freue mich so sehr, daß dieses Programm existiert - mein Traum spätestens seit meinem Besuch des LWP-Kurses (Life/Work-Planing) exakt vor zwei Jahren, während dessen ich auf meine zentralen Interessensgebiete stieß, eines davon: Die Erde von oben!
Was noch ansteht ist die Korrektur eines Arbeitszeugnisses, eine Bewerbung und die Optimierung meines Businessplans, um diesen einigen Leuten zu schicken.
Am Wochenende steigt unser fünftes Deichhausfest, diesmal mit Schwimmbad und 19 Personen, neuem Sound und zwei Kids. Freu mich schon sehr darauf...
Das waren meine ersten Zeilen am ersten Tag, mal schaun, was passiert...
Es wird etwas Gutes,
Chris